Natur : Kochtöpfe unter der Erde

Den Geysir Strokkur auf Island schauen sich viele Touristen an.
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Den Geysir Strokkur auf Island schauen sich viele Touristen an.

Die meisten Geysire sind Erdlöcher, aus denen ab und zu Wasser und Dampf nach oben schießen.

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03. Mai 2018, 23:42 Uhr

In diesem Erdloch blubbert und brodelt es wie in einem Kochtopf. Viele Menschen stehen außen herum. Sie halten Kameras und Handys bereit und beobachten das kochende Wasser. Das Loch in der Erde ist eine Springquelle, genauer gesagt ein Geysir. Die Leute warten darauf, dass er ausbricht. Gleich ist es so weit! Das Blubbern wird stärker. Plötzlich wölbt sich eine riesige Wasserblase nach oben. Es zischt und eine hohe Wasserfontäne spritzt in den Himmel. „Ohhhhh!“ und „Woah!“ rufen die Beobachter und drücken schnell auf die Auslöser ihrer Kameras und Handys.

Der Geysir, der gerade ausgebrochen ist, heißt Strokkur. Er befindet sich im Südwesten von Island. Die Insel liegt im Norden des Atlantischen Ozeans. Auf Island gibt es viele Vulkane und heiße Quellen. An manchen Stellen ist es gefährlich zu spazieren, der Boden ist voller Löcher, aus denen es dampft.

Der Geysir Strokkur ist eine besondere Attraktion. Er bricht alle fünf bis zehn Minuten aus. Manchmal auch mehrfach hintereinander. Jeden Tag kommen viele Menschen in diese Gegend, um sich das anzugucken.

Doch was passiert dabei eigentlich unter der Erde? Ralf Milke ist Geologe. Er kennt sich mit Geysiren aus und kann das erklären: „Was dort unterirdisch passiert, ist das Gleiche, was in einem Kochtopf passiert, wenn man die Herdplatte voll aufdreht.“ Das Wasser beginnt zu kochen, und einzelne Gasblasen steigen nach oben.

Der Kochtopf ist in diesem Fall ein Hohlraum unter der Erde, der mit Grundwasser gefüllt ist. Allerdings ist dort unten keine Herdplatte, sondern Hitze aus dem Erdinneren von geschmolzenem Magma, ähnlich wie in einem Vulkan.

Geysire wie den Strokkur gibt es dort, wo es auch Vulkane gibt. „In vulkanischen Gebieten ist die Erde schon wenige Meter unter der Oberfläche sehr heiß“, erklärt der Experte. „Ein Geysir braucht diese Hitze und das Grundwasser.“ Außerdem braucht der Geysir eine lange, enge Öffnung nach oben: „Die ist wie ein Rohr.“ In diesem Rohr befindet sich ebenfalls Wasser. Die Gasblasen, die beim Kochen entstehen und nach oben steigen, drücken das Wasser in der engen Öffnung mit nach oben, erklärt der Forscher Thomas Walter. „Mit einem Schlag spritzt dann eine Fontäne aus Wasser und Wasserdampf oben raus.“ Dadurch kühlt das Wasser ab und läuft einfach wieder zurück in die Öffnung. Nach einer gewissen Zeit wird das Wasser unten wieder heiß genug – und dann geht das Ganze von vorne los. Ein Geysir ist also tatsächlich wie ein Kochtopf unter der Erde.

Autorin: Insa Kohler

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