Tierwelt : Kleiner Fisch, großer Knaller

Das ist der Höhlenfisch, der entdeckt wurde.
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Das ist der Höhlenfisch, der entdeckt wurde.

Sein Fund gilt als Sensation: Er ist der erste Höhlenfisch, der in Europa entdeckt wurde.

svz.de von
03. Mai 2017, 23:50 Uhr

„Nanu, was ist das für ein seltsamer Fisch? Von dem mach ich mal ein Foto und zeig es Fachleuten.“ So in etwa dachte ein Taucher, als er in einer Höhle unterwegs war. Er machte ein Foto und zeigte es später Fachleuten, unter anderem Jasminca Behrmann-Godel. Sie ist Fisch-Forscherin und arbeitet an der Universität in Konstanz. Das ist eine Stadt am Bodensee, in Baden-Württemberg. Dort in der Nähe wurde der Fisch in einem Höhlen-System entdeckt.

Die Forscherin antwortete dem Taucher: „Der Fisch sieht tatsächlich seltsam aus. Kannst du uns vielleicht einen fangen, damit wir ihn genauer untersuchen können?“ Das konnte der Höhlentaucher. Die Forscher machten daraufhin eine tolle Entdeckung: Bei dem kleinen Fisch handelt es sich um einen Höhlenfisch. Und zwar um den Ersten, der in Europa entdeckt wurde. „Das ist sensationell“, sagt Jasminca Behrmann-Godel.

Bislang glaubten die Forscher, Höhlenfische könne es so weit im Norden nicht geben. Das hat etwas mit der letzten Eiszeit vor vielen Tausend Jahren zu tun. Die Forscher gehen davon aus, dass die Gegend rund um den heutigen Bodensee von einer dicken Eisschicht bedeckt war. Und dass deshalb alle Wasserläufe zugefroren sein mussten.

Vor etwa 20 000 Jahren begann das Eis der letzten Eiszeit zu schmelzen. Zu Ende war sie dann etwa 5000 Jahre später. Das bedeutet: Der Höhlenfisch kann frühestens vor 20 000 Jahren in das Höhlen-System gelangt sein. „Dieser Zeitraum ist extrem kurz für eine Art, um sich an so extreme Bedingungen wie in der Höhle anzupassen“, sagt die Forscherin.

Doch der Höhlenfisch hat es geschafft. „Wir vermuten, dass die Tiere nach der Eiszeit in die Höhlen gespült wurden. Mit dem Wasser der Donau“, erklärt die Fachfrau. Seit dieser Zeit waren die Fische wohl komplett von der Außenwelt abgeschnitten. Sie haben sich weiterentwickelt und an das Höhlen-Leben angepasst. „Die Augen haben sich zum Beispiel sehr stark zurückgebildet. Dafür sind die Nasenlöcher größer geworden. Denn in der Dunkelheit orientieren sich die Tiere vor allem über ihren Geruchssinn“, sagt die Forscherin. Außerdem ist die Haut der Fische blass und fast durchsichtig geworden.

Das hat wohl zwei Gründe: In der Höhle müssen sie sich nicht mehr tarnen. Es gibt dort keine Feinde. „Gleichzeitig brauchen sie keinen Schutz mehr vor dem UV-Licht der Sonne“, sagt die Forscherin. Und auch Schuppen haben die Tiere nicht mehr. Warum das so ist, wissen die Forscher allerdings noch nicht. „Überhaupt geht unsere Arbeit jetzt erst richtig los“, sagt Jasminca Behrmann-Godel. Denn die Höhlenfische haben noch viele Geheimnisse.

Autorin: Stefanie Paul

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