Kleine Könige besuchen Frau Merkel

<strong>Insgesamt 108 kleine Sternsinger </strong>besuchten Bundeskanzlerin Angela Merkel im Kanzleramt. Darunter waren auch Kinder aus Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. <foto>Jörg Carstensen/dpa</foto>
1 von 1
Insgesamt 108 kleine Sternsinger besuchten Bundeskanzlerin Angela Merkel im Kanzleramt. Darunter waren auch Kinder aus Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Jörg Carstensen/dpa

svz.de von
04. Januar 2013, 07:34 Uhr

In der Ecke steht ein Weihnachtsbaum. Im Flur des Berliner Bundeskanzleramts erklingen Weihnachtslieder. Und der 14-jährigen Klara Marie Schmidt aus Luckau in Brandenburg ist irgendwie mulmig zu Mute. Gleich trifft sie die Kanzlerin. Mit einer selbstgebastelten Krone auf dem Kopf und in einem prunkvollen Gewand steht sie zusammen mit Leonie Exter, Richard Schmolke und Emma Hammer in einer langen Kinderschlange. Genau wie Richard Klitsche, Marius Roggenbuck, Mathilda Rohr und Laurentius Ramme aus Waren an der Müritz.

Die Kinder sind Sternsinger. In den Tagen um den 6. Januar herum ziehen sie von Haus zu Haus, klingeln an den Türen, singen Lieder und sammeln Spenden für arme Kinder in Afrika oder Lateinamerika. Und sie schreiben mit Kreide die Buchstaben und Zahlen "20 C+M+B 13" an die Haustür. Das ist ein Segensspruch. Er heißt übersetzt: "Christus soll dieses Haus segnen!" und bedeutet, dass die Sternsinger den Menschen in diesem Haus wünschen, dass Jesus Christus sie beschützt und ihnen bei Problemen hilft. Auch im Kanzleramt haben einige Kinder diesen Spruch gestern an eine Betonwand geschrieben.

Sternsinger gibt es in Deutschland schon seit 1959. Sie erinnern an die "Heiligen Drei Könige", die der Bibel zufolge den Weihnachtsstern am Himmel sahen, ihm folgten und dem kleinen Jesuskind in der Krippe von Bethlehem Geschenke brachten. Und auch Angela Merkel freute sich darüber: "Ihr seit Könige der Barmherzigkeit, verbreitet Hoffnung und Zuversicht", sagte die Bundeskanzlerin zu den Kindern, die sie gestern besuchten. Denn die Sternsinger zeigen, was Kinder in Deutschland schaffen können: Im vergangenen Jahr sammelten rund 500 000 kleine Könige rund 42,3 Millionen Euro für die Dritte Welt. Zum Vergleich: Würdet ihr im Monat 100 Euro Taschengeld erhalten, müsstet ihr mehr als 35 000 Jahre lang alles Geld bei Seite legen, um auf die 42,3 Millionen Euro der Sternsinger zu kommen.

"Wir klingeln bei unseren Nachbarn - manchmal ist das sogar ein Lehrer, den wir aus der Schule kennen", erzählt Richard Klitsche aus Waren. "Oft geben uns die Menschen eine Spende, manchmal aber wollen sie mit uns auch nichts zu tun haben." Das sei dann schon etwas schade, schließlich kämen die Sternsinger ja für einen guten Zweck. Dass die Warener das Erzbistum Hamburg, zu dem Katholiken aus Mecklenburg, Schleswig-Holstein und Hamburg gehören, in Berlin vertreten durften, liegt da ran, dass sie ein Preisrätsel gewonnen haben, sagt Theresia Ramme, die sich als Erwachsene in der katholischen Kirchengemeinde "Heilig Kreuz" um die Sternsinger kümmert. "Wir mussten Fragen rund um das Sternsingen beantworten."

In diesem Jahr geht das gesammelte Geld nach Tansania. Dort sollen Krankenhäuser und Gesundheitsstationen davon bezahlt werden. Denn obwohl in Tansania 22 Millionen Kinder leben, gebe es dort nur 100 Kinderärzte, sagt Klaus Kremer, der das Sternsingen bundesweit organisiert. "Das sind viel zu wenig." Deswegen stand gestern im Kanzleramt ein weißer Jeep, den die Sternsinger zu einem Krankenwagen umgebaut haben. Und zur Erinnerung daran erhält auch Angela Merkel einen kleinen, weißen Jeep, aus Holz gebastelt von Kindern aus Tansania. Und Merkel verspricht: "Er wird einen besonderen Platz in meinem Büro erhalten."

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen