Kleine Bootsleute auf großer Fahrt

<strong>Reger Verkehr:</strong> Zwischen 400 und 500 Hausboote gibt es auf den Binnengewässern von MV. Sie sind in der Regel wie eine gute Ferienwohnung ausgestattet, besitzen unter anderem Küche, Bad, Fernseher. Auf  den größten Schiffen können bis zu 14 Leute mitfahren.
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Reger Verkehr: Zwischen 400 und 500 Hausboote gibt es auf den Binnengewässern von MV. Sie sind in der Regel wie eine gute Ferienwohnung ausgestattet, besitzen unter anderem Küche, Bad, Fernseher. Auf den größten Schiffen können bis zu 14 Leute mitfahren.

svz.de von
24. Juli 2012, 09:35 Uhr

Dass sie keinen festen Boden unter den noch wackeligen Füßen hat, scheint der 15 Monate alten Antonia nichts auszumachen. Entschlossen zieht sie ihre Oma an der Reling entlang zum Bug, wo ihre große Schwester die anderen Schiffe betrachtet. Für eine Woche wird das 13 Meter lange Hausboot das schwimmende Zuhause der beiden Mädchen und ihrer Familie sein.

Zwischen 400 und 500 Hausboote tummeln sich mittlerweile auf den Binnengewässern von Mecklenburg-Vorpommern. Für Hausboote, die nicht länger als 15 Meter und schneller als 15 Kilometer pro Stunde fahren, benötigt man auf rund 600 Streckenkilometern in MV keinen Bootsführerschein und auch keine Fahrpraxis. Eine Möglichkeit, die immer mehr Familien nutzen.

Ein bisschen Theorie darf trotzdem nicht fehlen: Vor der Abfahrt erhält jeder angehende Kapitän eine rund dreistündige theoretische und praktische Einführung. In der Marina Eldenburg an der Müritz erläutert Hafenmeister Wolfgang Fritz Vorfahrtsregeln und erklärt die Bedeutung der Betonnung. Danach geht es unter Anleitung aufs Wasser.

Und schnell macht sich die Erkenntnis breit: Hausbootfahren ist ein bisschen wie Autofahren. Kein Problem, solange die Straße gerade und breit ist und einem keiner entgegen kommt. Problematischer wird es, wenn es ans Einparken geht. "Ruhig bleiben" lautet die oberste Devise auf dem Wasser, sagt Wolfgang Fritz. Das Fahren erfordert viel Aufmerksamkeit.

Zu einem Schiff gehört neben dem Kapitän auch eine Crew. "Der Kapitän ist nur so gut wie seine Mannschaft", sagt Wolfgang Fritz. Faul unter Deck liegen, gilt deshalb nicht. Bei den Arbeiten an Bord kann auch die sechsjährige Maxi mit anfassen. Vor dem Anlegen die Fender raushängen, nach dem Ablegen wieder einholen. Bei der Brückendurchfahrt in Malchow einen Euro in den Klingelbeutel des Brückenmanns stecken. Am Bug des Schiffes stehen und nach den nächsten Tonnen Ausschau halten.

Eines darf bei aller Entdeckerlust aber nie vergessen werden: Die Schwimmweste ist für Kinder auf dem Wasser Pflicht. Wenn nicht gerade Landgang ansteht. Dazu gibt es gerade für Familien viele Möglichkeiten. Ein Ausflug nach Waren ins Müritzeum, zum Beispiel.

Doch das größte Abenteuer bleibt die Zeit auf dem Schiff. Langsam schippert das Hausboot über die Müritz. Auch Maxi darf mal hinter dem Ruder Platz nehmen. Stolz steuert der Mini-Kapitän das schwimmende Zuhause.

Erschöpft fallen am Abend in der Koje die Augen ganz von alleine zu. Das sanfte Schaukeln tut sein Übriges. Und es ist auch dann noch zu spüren, wenn die Bootsurlauber schon längst wieder festen Boden unter den Füßen haben.

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