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Instrumente für die Badewanne

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svz.de von
erstellt am 31.Aug.2012 | 10:13 Uhr

Schwungvoll zieht Jörg Kleinalstede eine Rolle schwarzen Stoffs aus dem Regal. Das Material sieht aus wie grobes Tuch. "Aber das sind Kohlefasern." Daraus wird ein Streichinstrument entstehen: eine Geige aus Carbon. Ein anderer Name dafür ist Kohlenstoff. In seiner Firma "mezzo-forte" in Werther bei Bielefeld baut Kleinalstede auch Bratschen und Celli aus der Faser. Das Material eigne sich besonders gut dafür. Es sei leicht und extrem robust. Der 46-Jährige schnappt sich eine Geige und schlägt kräftig dagegen. "Wenn ich das bei einem Holzinstrument mache, ist es kaputt."

Zunächst verkaufte der leidenschaftliche Geiger nur Instrumente aus Holz. "Auf Dauer wurde mir das aber etwas langweilig." Denn in der Branche gebe es kaum Neuerungen. Er wollte das ändern. Mit seinem Team experimentierte er drei Jahre lang, bis die erste markttaugliche Geige aus Carbon entworfen war. Die kommt optisch ganz anders daher als ihr Pendant aus Holz. Ihr Korpus ist pechschwarz und glänzt. "Das gefällt nicht jedem", räumt der Hersteller ein. Viele junge Leute allerdings begeisterten sich dafür.

Drei Monate nach Verkaufsstart hat Kleinalstede international Kunden: in den USA, Südamerika oder Japan. Der Vertrieb laufe vor allem über das Internet.

Jedes Stück wird in Handarbeit gefertigt. "Bis eine Carbon-Geige fertig ist, dauert es etwa 35 Stunden." In der Werkstatt legt Jonathan Robbins letzte Hand an ein Cello an. Vor allem Steg und Stimmstock müssten gut aufeinander abgestimmt sein. "Das sind die Klang-Überträger", sagt Robbins. Aufwendig sei auch die Fertigung des Korpus. Eine Form des Instruments wird mit den Kohlefaser-Matten ausgelegt. Das Material wird mit Harz getränkt und 18 bis 24 Stunden getrocknet. "Dann ist das knochenhart", sagt Kleinal stede. Am Ende seien die Instrument viel widerstandsfähiger als die aus Holz. Auch hohe Luftfeuchtigkeit mache ihnen nichts. Das Material verändere sich faktisch nicht, sagt Kleinalstede. Man könne das Instrument sogar mit in die Wanne nehmen. Zur Freude einiger dänischer Musiker. Sie hätten eine seiner Geigen für einen besonderen Zweck geordert: "Für Unterwasser-Konzerte."

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