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Im Schulgarten sind die Hühner los

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erstellt am 06.Aug.2012 | 09:59 Uhr

Ein gellender Schrei tönt über das Gemüsebeet. "Igitt", ruft die zehnjährige Linnea. "Da knabbert ja eine Nacktschnecke an unserer Zucchini." Der ungebetene Gast schlägt sich im Lehr- und Forschergarten der Lilienthaler Bürgerstiftung bei Bremen den Bauch voll und muss nun in die Wildnis nebenan übersiedeln. Auch wenn der erste Schreck groß ist: Begegnungen wie diese lassen den Garten zum Abenteuer werden.

Im Garten der Bürgerstiftung können Kinder auf 15 kleinen Parzellen ihr Land bestellen, also selbst pflanzen und ernten. Durch das Gartenjahr hindurch lernen sie so Wissenswertes über Böden, Blumen, Gemüse, Nütz- und Schädlinge. Und sie begegnen Tieren, die Städtern nur selten unterkommen. Wie die Erdkröte, die die siebenjährige Line unerschrocken auf die Hand nimmt. "Jetzt will sie weg", ruft sie und von allen Seiten kommen Kinder angelaufen, um das seltene Exemplar zu bestaunen.

"Ein Beet anlegen, das macht den Kindern Spaß", sagt die Biologin Karin Steinecke, die das Projekt ehrenamtlich betreut. "Unkrautrupfen eher nicht, genauso wie Mathe in der Schule nicht so beliebt ist." Trotzdem: Hier muss sie niemanden lange bitten, Grabegabel oder Gießkanne in die Hand zu nehmen. Wenn dann zwischen den Beeten Stockbrot gebacken wird oder in der sommerlichen Hitze eine Wasserschlacht läuft, ist der grüne Spaß perfekt.

Ganz nebenbei geht es da rum, Verantwortung zu übernehmen. So gibt es zum Beispiel in den Ferien eine Gießliste, damit die Pflanzen nicht vertrocknen.

So ist es auch in einer Bremer Grundschule. Das Schulgebäude ist umringt von Bauern-, Beeren-, Gemüse- und Kräutergärten, mittendrin ein Bienenstand und sogar Hühner. Eine Klasse verkauft auf dem benachbarten Wochenmarkt Marmeladen und Honig, die hier selbst produziert werden. "Das Thema Naturerziehung zieht sich durch den gesamten Unterricht", sagt der stellvertretende Schulleiter Lars Beulke.

Auch im Bremer "Floratrium", einem Lehr- und Erlebnisgarten, steht das Selbermachen im Vordergrund. Die Kinder können nach Herzenslust Gemüse, Getreide und Kräuter anbauen. Besonders beliebt sind auch hier Projekte mit Kartoffeln, sagt Biologin Sylke Brünn, die Schulklassen durch den Erlebnisgarten begleitet. Mit großem Hallo stürmen die Kinder zu ihrem Beet, das sie im Frühjahr angelegt haben und buddeln ihre Kartoffeln aus, die gleich im Anschluss gekocht und mit Butter und Salz verspeist werden. "Nur vorsichtig mit den Mutterknollen", warnt Brünn noch. "Die sind völlig ausgelaugt und stinken wie Hölle."

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