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Gefühle : Heimweh im Zeltlager

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Es fühlt sich schlimm an und fast jeder erlebt das Gefühl irgendwann: Sehnsucht nach Zuhause.

Seit Wochen freuen wir uns auf diesen Tag! Wir können es kaum abwarten. Endlich geht’s ins Zeltlager. Zum ersten Mal dürfen wir alleine in den Urlaub fahren. Ohne die Eltern, ohne die nervigen Geschwister. Das wird ein Spaß! Doch nach zwei Tagen im Zeltlager fühlen wir uns irgendwie komisch. Wir sind traurig, haben zu nichts mehr Lust. Das Essen schmeckt nicht mehr und einschlafen ist schwierig. Was ist bloß los? Wir haben Heimweh!

Das sei aber nichts Schlimmes, sagt der Fachmann Dieter Frey. Heimweh sei etwas ganz Normales. Das gilt nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene. „Heimweh ist immer ein Verlust-Erlebnis“, erklärt der Fachmann. Das bedeutet, uns fehlt unser Zuhause. Also der Ort, an dem wir uns besonders sicher fühlen und der uns vertraut ist. Außerdem vermissen wir die Menschen, die wir kennen und mögen. Im Zeltlager ist zum Beispiel erst mal alles neu und fremd. Wir kennen uns nicht richtig aus und müssen vielleicht auch noch lauter neue Leute kennenlernen. „Man sehnt sich dann zurück an diesen geliebten Ort, man sehnt sich nach den Personen, den Sachen, die man kennt“, erklärt der Experte. Manchmal fühlt man sich auch ausgeschlossen aus der Gruppe. Das vergrößert das Heimweh.

So ein Gefühl kann stark sein. Der Heimweh-Schmerz habe dann schon mal dieselbe Stärke wie ein Nadelstich, erklärt der Fachmann. Das Gefühl kann also tatsächlich wehtun wie eine echte Verletzung.

Heimweh kann sogar krank machen. „Denn Heimweh erzeugt Stress und Trauer. Und auch Wut und Verzweiflung“, erklärt der Fachmann. Das sind alles unangenehme Gefühle, die unseren Körper beeinflussen können: Wir schlafen dann schlecht, bekommen Kopfschmerzen oder Magenweh. „Allerdings muss man unterscheiden, was die Ursache für das Heimweh ist: Musste man seine Heimat verlassen und kann nicht mehr zurückkehren? Oder geht es um einen begrenzten, überschaubaren Zeitraum?“, sagt Dieter Frey. Flüchtlinge zum Beispiel können nicht einfach so wieder nach Hause fahren. Sie haben dann vielleicht sehr lange Heimweh. Aber im Zeltlager verschwindet das blöde Gefühl oft fast wie von allein, weil nach einiger Zeit nicht mehr alles fremd ist. Und spätestens, wenn man wieder nach Hause fährt, ist das Heimweh weg.

Autorin: Stefanie Paul

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