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Gehorche, sonst gibt es Prügel

Amy Chua erzählt in ihrem Buch, wie streng sie ihre beiden Töchter erzogen hat.
Amy Chua erzählt in ihrem Buch, wie streng sie ihre beiden Töchter erzogen hat.

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04. Februar 2011, 01:57 Uhr

Täglich haben sie bis zu fünf Stunden Klavier oder Geige üben müssen. Freunde besuchen? Das kannten sie nicht. Computerspiele und Fernseher waren ebenfalls tabu. Was zählte, war ihre Leistung: Ob im Sport oder in der Schule, sie mussten die Besten sein. "Gehorche aufs Wort, sonst gibts kein Essen, kein Trinken und keine Toilette, dafür eine Tracht Prügel!" Nach diesen Regeln sind Sophia und Louisa aufgewachsen. Sie sind die Töchter der chinesisch-amerikanischen Professorin Amy Chua. Eine Frau, die nach den gleichen Regeln erzogen worden ist. Darüber hat sie ein Buch geschrieben, das nun auch in Deutschland erschienen ist. Es heißt "Die Mutter des Erfolgs".

"Ihr müsst Eure Kinder quälen, denn von Natur aus sind sie faul und dumm! Nur durch Strenge und Härte kann man aus ihnen das Maximum rausholen." Und erst dadurch werden Kinder glücklich. So sieht es zumindest Amy. Gequält habe sie ihre Kinder genug, sind viele Menschen der Meinung. Sie drohte nämlich, Kuscheltiere zu verbrennen oder gar das Puppenhaus wegzugeben, wenn Louisa nicht ein Klavierstück perfekt spielen konnte. Also wurde weitergeübt - ohne Toilettenpause, ohne Essen. Das Mädchen war da gerade einmal sieben Jahre alt.

"Eltern wie Amy Chua sind der Grund, warum asiatische Amerikaner wie ich in Therapie sind", empörte sich Betty Ming Liu. Viele andere Chinesen erkennen sich dagegen in diesem Buch wieder. Für diese Erziehungsmethode scheint zu sprechen, dass Kinder vom Kontinent Asien wirklich sehr erfolgreich sind. In der Pisa-Studie belegen sie die vorderen Plätze. Außerdem bekommen sie die begehrten Plätze an Eliteschulen und -universitäten. Auch Amy Chua hat in Harvard studiert. Das ist eine Universität in den USA, auf die es nur die besten Schüler schaffen. Heute ist sie Professorin in Yale, eine weitere sehr angesehene Universität in Amerika.

Der Unterschied zu unserer Erziehung sei, dass wir uns auch über mittelmäßige Leistungen freuen. "Westliche Eltern werden ihr Kind schon für eine Eins minus loben. Die chinesische Mutter wird nach Luft schnappen und fragen, was falsch gelaufen ist", schreibt die Professorin. Fehler zu machen, ist also verboten. Versagen oder gar aufgeben, erst recht. Waren Amys Töchter in einer Arbeit mal nicht die Besten, wurden sie beschimpft. Das aber hätte sie dazu angetrieben, Höchstleistungen zu erbringen - behauptet ihre Mutter.

Das Buch "sollte eine Geschichte über chinesische Eltern sein, die ihre Kinder besser erziehen als westliche Eltern." Amy Chua gibt darin aber zu, teilweise wohl auch zu streng gewesen zu sein. Und genau das ließ sich ihre jüngste Tochter mit 13 Jahren nicht mehr gefallen. Sie stritt sich fürchterlich mit ihrer Mutter und tauschte die Geige gegen Tennisschläger aus. Deshalb sagt Amy Chua: Nun geht es in dem Buch stattdessen darum, "wie ich von einer Dreizehnjährigen gedemütigt wurde". Als Erziehungsratgeber sehe sie daher ihr Buch nicht. "Ich wollte mir den Spiegel vors Gesicht halten. Ich wollte lachen über mich selber."

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