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Sport : Fußballreporter für Blinde

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Viele Fans verfolgen die Spiele gern im Stadion. Das gilt auch für Anhänger, die schlecht oder gar nichts sehen.

„Es gibt Freistoß. Der Ball liegt 20 Meter halb rechts vor dem Tor. Vier Spieler stellen sich in die Mauer. Der Torwart steht am Pfosten und dirigiert seine Abwehr noch ein Stück ins Feld.“ In Leipzig läuft das Spiel in der Fußball-Bundesliga. Auf einer Tribüne sitzen Reporter und reden ohne Punkt und Komma. Doch nicht alle von ihnen kommentieren das Spiel fürs Fernsehen oder Radio. „Jetzt gibt der Schiri den Ball frei. Halstenberg schießt...“, sagt einer von ihnen. Er ist ein Reporter für sehbehinderte Menschen.

Seine Stimme wird immer lauter und schneller. „Der Torwart fischt den Ball aus dem Eck, kann ihn aber nicht festhalten. Und Tooor! Abstauber!“ Tausende Fans bejubeln das Tor ihrer Mannschaft.

Auch die Besucher im Block 20 freuen sich. Diese Plätze sind unter anderem für Leute reserviert, die schlecht oder gar nichts sehen. Sie haben den Treffer zwar nicht mit eigenen Augen verfolgen können.

Miterleben konnten sie ihn aber trotzdem. Dafür brauchen sie nur Kopfhörer, eine Art Radio in der Tasche – und einen Blinden-Reporter! Über das Radio können die Fußballfans seine Stimme hören.

Solche Reporter sitzen in vielen großen Fußball-Stadien. Ihre Aufgabe ist es, für die Sehbehinderten alles zu kommentieren, was auf dem Platz und drumherum passiert. Anders als Reporter fürs Fernsehen und Radio bewerten sie das Spiel normalerweise nicht. Sie beschreiben nur. „Ein Blinden-Reporter muss Eindrücke von einem Spiel beschreiben, die für Sehende selbstverständlich sind“, erklärt ein Experte. „Wer zu wem einen Pass spielt und wie weit ein Spieler dribbelt. Wie schnell und in welche Richtung. Das alles wollen die Zuhörer genau wissen.“

Mach doch mal bei einem Fußballspiel die Augen zu. Sofort ergeben sich viele Fragen: Wo genau auf dem Rasen wird der Freistoß ausgeführt? Wie reagiert ein Spieler auf seine Auswechslung? In den 90 Minuten eines Fußballspiels gibt es eine Menge zu berichten. Darum ist ein Blinden-Reporter auch selten allein. Oft wechseln sich zwei Kollegen ab. Außerdem haben die Reporter technische Hilfsmittel. Sie haben einen Bildschirm vor sich, auf dem das Fußballspiel übertragen wird. So wissen sie durch Zeitlupen und Nahaufnahmen genau, was ein paar Meter vor ihnen auf dem Platz los ist.

Autor: Philipp Brandstädter

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