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Fische können seekrank werden

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svz.de von
erstellt am 30.Aug.2012 | 11:09 Uhr

Sobald ein Schiff zu schaukeln beginnt, wird vielen Menschen mulmig zumute. Dann werden sie blass um die Nase, ihnen wird schwindelig und schlecht. Ist eine solche Seekrankheit ein typisch menschliches Phänomen oder leiden auch Tiere darunter? Können beispielsweise Fische seekrank werden? "Ja, allerdings wohl nicht im natürlichen Lebensraum", sagt Ralf Anken vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Denn wenn es an der Oberfläche eines Gewässers turbulent werde, tauche ein Fisch einfach ab.

Anders sieht das aus, wenn Fische im Fangnetz schnell nach oben gezogen werden. Aber auch Zierfische, die in einem Auto transportiert werden, könnten seekrank werden, sagt der Forscher.

Müssen sie dann auch erbrechen? "Die Tiere zeigen ähnliche Symptome wie wir Menschen", sagt Claudia Richter vom Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation. Sie begännen, sich zu drehen und versuchten, ihre Lage durch verschiedene Bewegungen wieder zu kontrollieren. Gelegentlich kommt es Ralf Anken zufolge sogar vor, dass die Tiere dann Purzelbäume im Wasser schlagen. Er nennt das Loop-Schwimmen.

"Auch das Erbrechen wurde schon bei Fischen beobachtet", ergänzt Claudia Richter. Um dem vorzubeugen, füttern beispielsweise Fischzüchter ihre Tiere nicht, bevor sie sie auf eine Reise schicken.

Doch warum kommt es überhaupt zu einer Seekrankheit? Dies geschieht in der Regel dann, wenn die Sinnesorgane widersprüchliche Informationen zur räumlichen Lage und Bewegung des Körpers liefern.

Das Gehirn verliert dabei die Orientierung und weiß nicht mehr, welchen Informationen es vertrauen soll. Dies kann auf einem Schiff passieren, aber auch im Auto oder in einem Bus. "Man stelle sich vor, in einem stehenden Zug zu sitzen. Da fährt am Nachbargleis ein Zug ab", nennt Ralf Anken ein weiteres Beispiel. Die Augen melden dann "wir fahren", das Gleichgewichtsorgan im Ohr dagegen "wir bewegen uns nicht". Das Gehirn könne diesen Widerspruch zunächst nicht lösen. Wenn es die Meldungen weiterer Sinnesorgane ausgewertet hat, stellt es schließlich fest, dass der Zug steht - und alles sei wieder gut.

Hält so ein Dilemma jedoch an, etwa auf einem Schiff bei starkem Wellengang, kann es zur Seekrankheit kommen. Die Puzzleteile aus den verschiedenen Sinneseindrücken passen dann, vereinfacht gesagt, nicht mehr zusammen. Bei manchen Menschen kann das Gehirn auch dieses schwere Puzzle zusammensetzen. Bei anderen nicht. Dann weiß es gar nicht, welche Information denn nun stimmt, und kommt völlig aus dem Gleichgewicht. Die Folge: Es dreht im Kopf, einem wird schlecht, manchmal muss man sogar brechen.

Auch Fische besitzen Gleichgewichtsorgane. Sie sitzen jeweils links und rechts im Kopf. "Wird der Fisch durch einen Strudel oder starke Wellenbewegungen hin- und hergeworfen, kann auch er kurzfristig die Orientierung verlieren und somit see- oder raumkrank werden", sagt Claudia Richter.

Die Erforschung des Phänomens bei Fischen und Menschen ist aber noch lange nicht abgeschlossen. Unklar ist beispielsweise, warum manche Lebewesen schon bei schwachen Bewegungen seekrank werden, andere dagegen scheinbar gar nicht.

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