Feinde aufgepasst!

svz.de von
30. Juli 2012, 06:56 Uhr

Wenn Katzen und Hunde aufeinandertreffen, kann es geschehen, dass die Katze ihren Rücken zum Buckel krümmt. Gleichzeitig richten sich alle Haare an Rücken und Schwanz auf - sie stehen buchstäblich zu Berge. Doch gibt es dieses Phänomen auch beim Menschen?

Das gibt es. Wohl jeder hat schon einmal erlebt, dass sich die feinen Härchen im Nacken oder an Armen und Beinen aufstellen. Man spricht dann von einer Gänsehaut. Die Härchen können sich dabei vollständig senkrecht stellen. Das geschieht ganz automatisch ohne Beteiligung des Bewusstseins. Es soll aber auch Menschen geben, die bei sich selbst absichtlich eine Gänsehaut hervorrufen können. Wie das funktioniert, untersucht gerade Christian Kaernbach von der Universität Kiel zusammen mit anderen Forschern.

Warum können sich die Härchen überhaupt aufrichten? "Verantwortlich dafür sind kleine Muskeln an den Haarfollikeln, die die Haare aus ihrer normalen, liegenden Position in eine senkrechte ziehen", sagt Christian Kaernbach. Bei den dicken Kopfhaaren kommen die winzigen Muskeln allerdings meist nicht wirklich gegen das Gewicht der Haare an, so dass der Effekt dort nicht oder kaum zu sehen ist.

"Am bekanntesten ist der Effekt sicherlich bei Kälte, bei der klassischen Gänsehaut", sagt Christian Kaernbach. Diese Reaktion gibt es auch bei vielen Tieren, die ihr Fell oder ihr Federkleid aufstellen, um ein Luftpolster zu erzeugen und damit ihre Körperoberfläche besser zu isolieren.

Doch nicht nur Temperatur, auch Gefühle können einem die Haare zu Berge stehen lassen. Besonders gut gelingt das der Angst. Deshalb richten sich die Härchen auch im dunklen Kino bei einem gruseligen Film oder bei einem unbekannten nächtlichen Geräusch auf. Mit diesem Trick sollten ursprünglich wohl potenzielle Angreifer vergrault werden, sagt Christian Kaernbach, denn: "Wer sein Fell aufplustert, wirkt optisch größer und gaukelt damit einem Feind vor, er sei stärker als er tatsächlich ist."

Rätselhaft ist für die Wissenschaftler noch, wie und warum bestimmte Musikstücke oder romantische Filmsequenzen die Haare zu Berge stehen lassen.

Wem das alles zu kompliziert ist, der kann seine Haare aber auch noch auf eine andere Art zu Berge stehen lassen. Dazu reibt man einfach einen Luftballon an seinen Haaren - und schwupps, schon stehen diese in die Höh’. Warum? Durch das Reiben entreißt der Ballon dem Haar Elektronen. Das sind negativ geladene Atomteilchen. Das Haar hat dann, vereinfacht gesagt, mehr positive Teilchen als negative. Beim Ballon ist es dagegen umgekehrt. Diese Gegensätze ziehen sich an, was dazu führt, dass die Haare sich in Richtung Ballon aufrichten.

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