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Lebenslauf : Eine starke Frau

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Clara Immerwahr wollte unbedingt forschen. Dafür musste sie viele Hindernisse überwinden.

Was möchtest du später mal machen? Vielleicht als Forscherin im Labor arbeiten und coole Versuche unternehmen? Vor rund 120 Jahren konnten Frauen bei uns nicht werden, was sie wollten. Damals durften junge Mädchen kein Abitur machen und auch nicht studieren. Einige haben sich davon aber nicht abhalten lassen. Zu ihnen gehörte Clara Immerwahr.

Schon als Kind interessierte sie sich für Chemie. Ihr Vater war selbst Chemiker. „Er hat sie sehr stark unterstützt und gefördert“, sagt Gudrun Kammasch. Sie ist selbst Forscherin und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Clara Immerwahr und deren Leben.

Um studieren zu können, musste Clara Hürden überwinden. Sie brauchte etwa Sonder-Erlaubnisse. Aber Clara blieb hartnäckig und schaffte es: Sie durfte an die Universität der Stadt Breslau. Damals gehörte die Stadt zu Deutschland. Heute liegt sie in Polen.

Am Ende gehörte Clara zu den ersten Frauen, die einen Doktortitel in einem naturwissenschaftlichen Fach hatten: in Chemie. „Das sorgte für Aufsehen. Es erschienen sogar Zeitungsartikel über sie“, erzählt Gudrun Kammasch. Und noch etwas anderes sorgte für Aufsehen: Clara schnitt sich damals ihre langen Haare ab. Damit wollte sie zeigen, dass Frauen genauso ein Recht auf Bildung haben wie Männer.

Doch wie ging es mit Clara Immerwahr weiter? Sie heiratete einen Mann. Fritz Haber war auch Chemiker und zunächst arbeiteten die beiden gemeinsam im Labor. „Aber den Kollegen von Fritz Haber gefiel das nicht. Sie wollten keine Frau dabeihaben“, erklärt die Expertin.

Clara musste draußen bleiben. Sie konnte nicht mehr als Forscherin arbeiten. Stattdessen musste sie zu Hause bleiben und sich um den Haushalt kümmern. So hatte sich das Clara nicht vorgestellt. Sie wollte doch Forscherin sein! Währenddessen wurde ihr Mann mit seiner Forschung immer berühmter. Er erforschte zum Beispiel, wie man giftiges Gas im Krieg einsetzen konnte. Damals begann in Europa ein fürchterlicher Krieg, der Erste Weltkrieg. Am 22. April 1915 wurde das Giftgas zum ersten Mal ausprobiert und Soldaten verloren ihr Leben. „Clara hat unter diesem Krieg sehr gelitten“, sagt Gudrun Kammasch.

Einige Tage nach dem Angriff nahm sie sich das Leben. Sie hat zwar Abschiedsbriefe hinterlassen, doch die wurden schnell vernichtet. „Deshalb können wir nur vermuten, warum sie das getan hat“, sagt die Expertin. Viele glauben, sie wollte damit gegen den Krieg und den Einsatz von Giftgas protestieren.

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