Spiel : Ein Spiel für Strategen

Manchmal gewinnt Immanuel sogar gegen seinen Trainer.
Manchmal gewinnt Immanuel sogar gegen seinen Trainer.

„Go“ ist sehr abwechslungsreich. Das weiß auch der neunjährige Immanuel: Er ist deutscher Meister.

svz.de von
21. März 2016, 23:00 Uhr

Immanuel sitzt ruhig vor dem quadratischen Spielbrett. Er denkt nach. Wohin soll er seinen nächsten Stein setzen? Was wäre ein kluger Zug? Immanuel will nichts überstürzen. Dann legt er einen seiner schwarzen Spielsteine auf das Brett. Hoffentlich war das die richtige Entscheidung, denkt Immanuel. Der Schüler aus Berlin spielt das Spiel „Go“. Das ist schon sehr alt, kommt aus Asien und erinnert etwas an Schach. Ein Spieler hat weiße Steine, der andere schwarze. Diese legen die Spieler abwechselnd aufs Brett. Dieses ist in viele Quadrate eingeteilt.

Die Spieler legen die Steine aber nicht in eines der Felder. Sie legen sie stattdessen auf die Punkte, wo sich die Linien kreuzen. Ziel ist es, möglichst große Gebiete auf dem Brett mit seinen Steinen zu besetzen. Außerdem können die Spieler durch geschicktes Setzen die Steine des Gegners fangen. Wer sich gern Strategien überlegt und sich gut konzentrieren kann, ist bei „Go“ im Vorteil. Auch Geduld ist gefragt. Schließlich kann es in einem Spiel bis zu 300 Züge geben. Dadurch bietet das Spiel eine riesige Zahl an strategischen Möglichkeiten.

„Du kannst wunderschön spielen, aber machst am Ende einen kleinen Fehler. Dadurch kannst du verlieren“, sagt Karl-Hans Balduin. Er ist seit drei Jahren der Trainer von Immanuel. Auch der Neunjährige weiß, wie schwer es ist, sich zu konzentrieren. „Das ist mir früher in jeder fünften Partie passiert, dass ich einen kleinen Fehler am Ende gemacht habe. Ich habe in Gedanken schon gewonnen und plötzlich: Oh, verdammt“, sagt er.

Beim Spiel „Go“ darfst du dir also nie zu sicher sein. Das Training hilft dabei, sicherer zu werden. Dort werden oft Partien von guten Spielern nachgespielt. Es gibt dafür extra Zeitschriften. Dort steht genau drin, welche Züge die Profis in einem Spiel gemacht haben. So können andere Spieler von ihnen lernen – wie Immanuel. Er trainiert zweimal die Woche. Außerdem spielt er zu Hause mit seinem kleinen Bruder, seinem Vater oder am Computer. Immanuel ist so gut, dass er deutscher Meister in seiner Altersklasse wurde. „Sogar mich hat er zuletzt sehr oft besiegt“, sagt der Trainer lachend. Auch Immanuel lächelt kurz. Dann konzentriert er sich aber wieder auf das Spiel. Schließlich will er keinen Fehler machen.

Autor: Thomas Bremser

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