Reisen : Ein Land ohne Soldaten

In Island kann man super reiten.
In Island kann man super reiten.

Die meisten Länder auf der Welt haben große Armeen. Doch das gilt nicht für Island.

svz.de von
02. Januar 2019, 17:28 Uhr

Ritter Wagemut nimmt es mit allen auf. Er kämpft gegen feuerspeiende Drachen, Gespenster, Tiere und Menschen. In Städten, Dörfern, in den Bergen und auf dem Wasser. Er ist unbesiegbar. Doch irgendwann gibt es niemanden mehr zu besiegen. Da merkt der Ritter, dass er sehr einsam ist. Die Geschichte von Ritter Wagemut nimmt aber ein gutes Ende. Denn in dem Buch erscheint plötzlich das liebevolle Mädchen Nála. Sie denkt, das Schwert des Ritters sei eine Sticknadel. Und damit stickt sie lauter neue Dinge, etwa Schmetterlinge und Vögel und Kinder. Da stellt der Ritter fest: Es ist viel schöner, etwas Neues zu erschaffen, als etwas zu zerstören.

Das Buch über Nála und den Ritter Wagemut kommt aus Island. Das ist eine große Insel ganz im Nordwesten von Europa. Ein wichtiger Vertreter des Landes sagt, dass das Buch gut zur Geschichte seines Landes passe. Denn die Isländer haben sich 600 Jahre lang gegen Dänen und Norweger gewehrt, die ihre Insel in Besitz genommen hatten. Dabei kam es aber nicht zu einem großen Krieg. „Wir kämpften mit unserer Sprache und Geschichte“, sagt der Botschafter Martin Eyjólfsson.

Die gemeinsame Kultur habe die Isländer zusammengeschweißt, sagt der Botschafter. Sie erzählten sich immer wieder ihre alten Sagen und sprachen weiter ihre eigene Sprache. Die Isländer ließen sich von den Eroberern nichts aufzwängen und ließen sich nicht regieren. „Wir wehrten uns ohne Soldaten.“

Vor 100 Jahren wurde Island unabhängig. Auch danach gründeten die Isländer keine Armee, wie sie die meisten anderen Länder haben. Bis heute gibt es keine isländischen Soldaten. „Das ist kein Zufall“, sagt Carsten Wilms. Er ist Experte für die Länder im Norden von Europa, also von Skandinavien. Er meint, dass Isländer sich besonders für den Frieden einsetzen. „Island versucht überall auf der Welt, Frieden zu stiften.“ Der Botschafter findet es toll, dass im Buch von Nála eine Waffe für etwas Gutes genutzt wird. Er findet: Wenn die anderen Länder auf der Welt sich daran ein Beispiel nehmen würden, ginge es friedlicher zu.

In Island kann man den Frieden sogar sehen: in Form eines Friedensturms. Er besteht nur aus Licht, das unglaublich hoch in den Himmel strahlt.

Autorin: Doreen Garud

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