Beruf : Die Geisterbahn-Erfinder

Jakob Wahl und Chris Lange erfinden Geisterbahnen.
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Jakob Wahl und Chris Lange erfinden Geisterbahnen.

Uuaah, gruselig! Jakob Wahl und Chris Lange sind Experten für dieses Gefühl. Ihr Beruf: Anderen Angst machen.

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30. März 2016, 23:53 Uhr

Zwei Türen klappen auf, dahinter ist es schwarz. In diese Dunkelheit ruckelt die Gondel der Geisterbahn. Es ist eine Fahrt ins Ungewisse. Dann blitzt plötzlich ein Licht auf. In einer Ecke wird ein Skelett angestrahlt. Uuaah!

Wieder wird es dunkel, dann der nächste Schreck: Ein Sargdeckel klappt auf, ein Vampir schnellt hervor. Bis ganz dicht an die Gondel heran! Besonders gruselig ist der Schluss. Da packt von hinten plötzlich eine echte Hand an die Schulter. Schock! Wer denkt sich solche Sachen aus, um anderen Angst zu machen? Es sind Menschen wie Chris Lange und Jakob Wahl. Sie arbeiten in einem großen Freizeitpark in Deutschland. Die beiden erfinden für den Park Geisterbahnen aber auch andere Fahrgeschäfte und Attraktionen.

„Bei einer Geisterbahn überlege ich mir vorher, wovor ich mich selbst erschrecke und was mir am meisten Angst macht“, erzählt Chris Lange. Daraus entwickelt er dann seine Ideen. Viele Menschen hätten Angst vor der Dunkelheit, weil sie dann nicht wüssten, was in den Ecken lauern könnte. „Deshalb ist es in einer Geisterbahn immer dunkel. Und es gibt eine Folge von Schockmomenten und Figuren werden angeleuchtet“, sagt der Experte.

Dabei setzen die Erfinder Figuren ein, die mit den Urängsten von Menschen zu tun haben. Zum Beispiel fürchten sich viele vor bestimmten Tieren wie Schlangen, Ratten oder Spinnen. Oder vor ekelig aussehenden Monstern, Geistern oder Vampiren. „Wir überlegen uns, wie bei einem Film, eine Dramaturgie. Man baut die verschiedenen Schreckmomente nacheinander auf, und zum Schluss kommt meist der größte Schocker“, sagt der Geisterbahn-Erfinder.

Sein Kollege Jakob Wahl erzählt: „Das Kunststück ist, ein gewisses Unwohlsein bei den Fahrgästen zu erzeugen. Wir wollen eine Gänsehaut-Stimmung herstellen durch Musik, Licht und Gerüche.“

Mit einer Geisterbahn habe man mehr Möglichkeiten, Menschen zum Gruseln zu bringen, als etwa mit einem Film. „Wenn man zum Beispiel dünne Fäden von der Decke hängen lässt, fühlt sich das an, als fahre man durch ein Spinnennetz“, sagt Jakob Wahl. „Man erlebt die Grusel-Stimmung mit dem ganzen Körper und ist selbst ein Teil des Ganzen. Man fühlt und riecht. So ein Erlebnis hat man auf dem Sofa beim Fernsehen nicht.“

Die beiden Männer achten aber darauf, dass die Grusel-Effekte nicht zu heftig sind. Das Gruseln soll schließlich Spaß machen. „Wir wollen ja niemandem wirklich Angst einjagen“, meint Chris Lange. Schließlich ist das Ganze ja nur vorgetäuscht, also nicht echt!

Autorin: Silke Fokken

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