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Die Augen der Mona Lisa

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erstellt am 13.Aug.2012 | 11:14 Uhr

Vielleicht hat der ein oder andere es selbst schon erlebt. Man ist im Museum und auf einmal schaut einen die Person von einem Gemälde herunter an. Zufall, denkt man sich, und geht weiter.

Aber dann merkt man, dass die Augen auf dem Bild einem folgen. Egal, wo man steht, das Bild schaut einen immer an. Bei der berühmten Mona Lisa ist das auch so. Sie hängt im Louvre. Das ist ein riesiges Museum mitten in Paris. Leonardo da Vinci (1452-1519) hat sie gemalt. Er wollte sie so lebendig wie möglich aussehen lassen. Darum hat er ihr diese wunderschönen dunklen Augen gemalt, die der Betrachter immerzu angucken möchte.

So lange es die Malerei gibt, versuchten die Menschen, auf Bildern die Welt möglichst genau abzuzeichnen. Schon die Reichen im alten Rom malten sich Landschaften an die Wände, damit es in ihren Häusern wie in der Natur aussah. In Pompeji sieht man noch solche Wandbilder. Das ist die Stadt in Italien, die im Jahr 79 nach Christus durch einen Vulkanausbruch des Vesuv zerstört wurde. Unter der Asche und dem Geröll haben sich diese bunten Fresken, wie solche Wandbilder auch genannt werden, über die Jahrhunderte wunderbar erhalten.

Etwa zur selben Zeit, in der Pompeji unterging, schrieb der römische Schriftsteller Plinius die Geschichte vom Wettstreit der Maler Zeuxis und Parrhasios auf. Zeuxis hatte Weintrauben so täuschend echt gemalt, dass Vögel angeflogen kamen, um sie zu fressen. Geht natürlich nicht. Sind ja nur gemalt.

Da dachte sich Parrhasios "na warte, was du kannst, kann ich schon lang" und malte auch ein Bild. Als er sein Gemälde stolz seinem Widersacher Zeuxis zeigte, sagte der: "Schön und gut, aber jetzt zieh endlich den Vorhang vor dem Bild weg". Da lachte sich Parrhasios ins Fäustchen, denn der Vorhang war nur gemalt.

In der Kunstgeschichte nennt man diese Malerei, die wie echt aussieht "Trompe-l’oil". Das ist Französich und heißt so viel wie "Täusche das Auge". Der italienische Maler Giotto (1266-1337) beispielsweise soll Fliegen so natürlich gemalt haben, dass sein Lehrer sie von seinem Bild verscheuchen wollte.

Große Mode wurde diese Art zu malen dann im 17. Jahrhundert. Fürsten und Herzöge sammelten solche Bilder.

Auch im Staatlichen Museum in Schwerin gibt es Trompe-l’oil-Gemälde. Eines stammt vom Maler Louis Poisson, auch Ludwig Fischer genannt, und zeigt ein "Steckbrett". Das war eine Art Pinnwand, an die man verschiedene Sachen steckte. Der Künstler malte die Schatten der angepinnten Dinge gleich mit, deswegen sieht es aus, als wären sie echt.

Übrigens gibt es diesen Trompe-l’oil-Effekt auch in der Architektur. Das ging so weit, dass manche Künstler ihren Gemälden ein Bein aus Gips anhefteten.

Die Figur war an die Decke gemalt und ein Bein streckte sich aus dem Bild heraus dem Betrachter entgegen. Toll, was!

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