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Verhalten : Das ist ja zum Gähnen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Gähnen scheint ansteckend zu sein – sowohl bei Menschen als auch bei Tieren.

Kurz vorm Schlafen abends im Bett, gähnt ihr sicher herzhaft. Tieren geht es genauso. Bevor sie sich gemütlich hinlegen, gähnen sie. Interessant ist, dass das Gähnen ansteckend zu sein scheint. Gähnt jemand in der Klasse oder seht ihr einen Film, indem jemand gähnt, überkommt es einen ebenfalls. Wann immer man jemanden beobachtet, der gähnt, muss man es ebenfalls tun.

Lange wussten die Forscher nicht, warum das so ist. Natürlich ist es immer noch nicht so ganz geklärt. Aber einige Wissenschaftler sind der Ansicht, dass dieses menschliche Verhalten mit unseren Vorfahren vor Millionen von Jahren zu tun hätte. Die Ahnen des heutigen Menschen lebten in Afrika. Sie zogen in Gruppen durch die Steppe. Da sie noch keine richtige Sprache untereinander entwickelt hatten, verständigten sie sich mit Gesichtsausdrücken. Laute, Blicke, Handzeichen, alles das war ein Signal für die Gruppe. Nun nehmen die Forscher an, wenn einer in der Gruppe müde war und gähnte, gähnten alle anderen auch. So war man sich schnell einig, eine Ruhepause zu machen. Ganz ohne Worte, denn die gab es ja noch gar nicht. Es war wichtig, dass die Gruppe zusammenblieb und nicht einzelne alleine weiterzogen. Die Wissenschaftler meinen, wir hätten dieses Verhalten von unseren Vorfahren geerbt und das ansteckende Gähnen bis heute beibehalten. Und das Gähnen überträgt sich sogar auf Tiere. Man hat Hunde beobachtet, die ebenfalls gähnten, wenn sie jemandem beim Gähnen zusahen.

Warum wir gähnen, gibt Forschern immer noch Rätsel auf. Lange dachte man, dass wir frische Luft bräuchten. In der Luft ist ein für uns lebenswichtiges Gas enthalten, der Sauerstoff. So nahm man an, gähnen bedeutet „Sauerstoff tanken“. Damit das Gehirn wieder angeregt wird durch frische Luft. Heute weiß man, dass das nicht stimmt. Heute nimmt man an, dass das Gehirn durch das Gähnen abgekühlt werden soll. Aber, so genau weiß es noch niemand. Denn auch Langeweile, Stress oder Hunger können ein Gähnen auslösen.

Vielleicht kennt ihr es auch, dass man sich beim Gähnen die Hand vor den Mund halten soll. Denn in unserer Kultur gilt es als unhöflich, mit weit aufgerissenem Mund zu gähnen. Das ist auch bei einigen anderen Völkern so. Hier liegt der Grund im Aberglauben der früheren Menschen. Denn im Mittelalter glaubte man, dass die Seele durch den geöffneten Mund entweichen könnte. Oder aber böse Geister in den Körper eindringen würden. Das ist natürlich Unsinn, aber die Hand vor den Mund halten wir noch immer.

Autorin: Silvia Friedrich

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