Dampfendes Ungetüm

Dampflokomotiven bahnen sich heute nur noch selten den Weg  über die Gleise. Foto: Dietmar Unger
Dampflokomotiven bahnen sich heute nur noch selten den Weg über die Gleise. Foto: Dietmar Unger

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01. Juni 2012, 10:23 Uhr

In Sachsen kämpft sich die Fichtelbergbahn mehrmals täglich durch den Wald des Erzgebirges hinauf nach Oberwiesenthal. Dabei muss die Schmalspurbahn die schweren Waggons in einer Stunde von 653 Meter auf 900 Meter hochziehen. Wenn die Dampflok ihre Rauchwolken in den Wald bläst, erinnert es an Jim Knopf und Lukas, den Lokomotivführer.

Eine Schmalspurbahn heißt so, weil die Spurweite, also der Abstand zwischen den Innenkanten der Schienen nur 750 Millimeter statt der "normalen" 1435 Millimeter beträgt. Das ist günstiger, wenn man wenig Platz hat und enge Kurven befahren muss. Bei der Fahrt ruckelt es ordentlich, aber das macht ja viel Spaß.

Die erste Dampflokomotive der Welt fuhr 1804 in England. Vorher konnte man nur zu Fuß gehen oder sich mit Pferden fortbewegen. Der britische Ingenieur Richard Trevithick hatte sie konstruiert. Der Engländer Robert Stephenson entwickelte später die "Rocket", eine Zugmaschine, die mit 56 Kilometern in der Stunde das schnellste Fahrzeug der Zeit war.

Er lieferte auch die erste Lokomotive, den Adler, nach Deutschland. 1835 sahen Tausende Zuschauer der ersten Fahrt von Nürnberg nach Fürth zu. Am Anfang hatten die Menschen Angst vor der Geschwindigkeit. Das änderte sich aber bald.

Das Wort "Lokomotive" stammt von den lateinischen Begriffen locus (der Ort) und movere (bewegen). Die Lok ist also eine sich von der Stelle bewegende Maschine. Dass sie ihren Siegeszug durch die ganze Welt antreten konnte, liegt an zwei Erfindungen: Bei der Eisenbahn gehören Fahrzeug und Weg untrennbar zusammen. So benötigte man Schienen, die man schon aus den Bergwerksstollen aus Holz kannte.

Ebenso wichtig war die Erfindung der Dampfmaschine, denn eine Dampflok ist eigentlich nur eine Dampfmaschine mit Rädern. Vorher wurden Pferde und Menschen vor Maschinen gespannt. Man nutzte auch Wind und Wasser als Antriebskraft. Die sind jedoch nicht überall verfügbar und die Muskelkraft ist begrenzt.

Im alten Griechenland hatte Heron von Alexandria ein dampfangetriebenes Gerät erfunden. Es war jedoch nur als Spielerei zu benutzen. Immer wieder versuchten Menschen, so eine Wärmekraftmaschine zu entwickeln. Der Schotte James Watt, er lebte von 1736 bis 1819, verbesserte diese entscheidend. Nun waren die Menschen unabhängig von Wind, Wasser und Muskelkraft.

Die Idee dazu: In einem geschlossenen Kessel befand sich Wasser, das durch ein Feuer erhitzt wurde und dadurch verdampfte. Der Druck stieg an und wurde genutzt, um einen Kolben zu bewegen, der mit einem Schwungrad verbunden war. Die Dampfzufuhr wurde durch Ventile gesteuert. So konnte sich der Kolben hin- und her bewegen und das Schwungrad in Bewegung halten. Die Leute sagten damals, dass man nun mit Feuer das Wasser heben könnte.

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