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Serie : Buch über gutes Benehmen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Teil 2 der Tischsitten-Serie: Freiherr von Knigge gilt als Begründer der Etikette.

Mancherorts sind die Sitten bei Tisch ganz einfach: Der Gastgeber stellt das Tablett ab, jeder nimmt sich sein Essen und verspeist es ohne große Umschweife. Doch manchmal müssen auch Kinder gute Tischsitten beweisen, etwa bei großen Familienfeiern oder in einem feinen Restaurant. Dann wollen die Eltern ihre gute Erziehung unter Beweis stellen.

Allerdings ist es gar nicht so einfach, gutes Benehmen bei Tisch und in Gesellschaft zu erklären. Viele Menschen haben im Laufe der Jahrhunderte Ratgeber hierüber geschrieben. Doch Adolph Freiherr von Knigge gilt als Begründer der modernden Etikette. Seit zweihundert Jahren ist seine Anstandsfibel das Maß für Umgangsformen. Dabei waren dem Freiherrn kleinkarierte Etikette und bloße Fassadenpflege zuwider. Sein Interesse galt dem besseren Umgang der Menschen miteinander, damit das Leben einfacher und angenehmer wird.

Denn hier blickte Adolph Freiherr von Knigge auf einen reichen Erfahrungsschatz zurück. So verstarben seine Eltern wenige Jahre nach seiner Geburt 1752. Sie hinterließen ihm mehr als 100 000 Gulden Schulden. Der Waisenjunge erhielt nur eine Rente. Sie reichte später allerdings für ein Jurastudium. Danach war sein Leben bunt. Immer wieder suchte Knigge an verschiedenen Höfen eine Anstellung. Doch es hielt ihn nicht lange dort. So wandte er sich der Kunst zu. Der Freiherr schrieb Rezensionen, Theaterstücke, Romane, politische Satiren, sogar philosophische Werke. Am 6. Mai 1796 starb Knigge in Bremen.

Obwohl er selbst dem Adel angehörte, war er Zeit seines Lebens ein entschlossener Anhänger der Aufklärung. Jene Bewegung wandte sich gegen den Absolutismus der Fürsten und setzte sich für gleiche Rechte für alle Stände ein. Der Freiherr wollte die Menschen über ihre politische und soziale Unterdrückung aufklären, seine Gedanken schrieb er in dem Buch „Über den Umgang mit Menschen“ nieder. Es erschien 1788 und damals hatte jeder Fürstenhof seine eigenen Umgangsformen und Etiketten. So wurden Bittsteller aufgrund ihrer Unkenntnisse leicht zum Spielball der Höflinge. Knigge gab viele praktische Tipps zum Verhalten mit der Obrigkeit, aber auch für alltägliche Konfliktsituationen. Sein Werk war bereits zu seinen Lebzeiten erfolgreich.

Nach seinem Tod wurde es immer wieder von unterschiedlichen Herausgebern veröffentlicht und zu einem „modernen Knigge“ überarbeitet. Schließlich glich das Buch einer Anstandsfibel, von seinem ursprünglichen Charakter ist nur noch ein kümmerlicher Rest übrig. Adolph Freiherr von Knigge hätte es wahrscheinlich beim Lesen des modernen Machwerkes gegraust.

Autor: Ronny Stein

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