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Religion : Beten an einer besonderen Mauer

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Gläubige in Jerusalem: Muslime pilgern zum Felsendom, Christen zur Grabeskirche und Juden zur Klagemauer.

Die mächtige Mauer ist aus großen, schweren Steinblöcken aufgebaut. Davor stehen Menschen und beten. Manche wiegen sich hin und her. Diese Mauer, auch Klagemauer genannt, steht in Jerusalem. Das ist eine Stadt im Nahen Osten. Die Mauer stützte einst die Plattform eines prächtigen jüdischen Tempels. Doch die Römer zerstörten das mächtige Gebäude. „Das war vor rund 2000 Jahren. Es herrschte der Jüdische Krieg“, sagt Regula Alon. Sie ist Reiseführerin und kennt sich gut mit Jerusalem und der Klagemauer aus.

Übrig geblieben ist vom ganzen Tempelbezirk neben der Plattform nur diese eine Mauer. Sie ist heute die wichtigste Gebetsstätte des Judentums und gilt als heilig.

Jeden Tag kommen viele Besucher hierher, um zu Gott zu beten. Dazu müssen sie zuerst durch strenge Kontrollen und Schleusen. Rundherum hängen Überwachungskameras. „Polizisten und andere Sicherheitskräfte passen auf, dass die Leute nicht aneinander geraten“, sagt Regula. Denn in der Altstadt von Jerusalem stehen heilige Stätten verschiedener Religionen. Deshalb kommt es immer wieder zu Streit.

Vor der Klagemauer liegt ein großer Platz. Von dort aus geht es durch zwei Eingänge zur Mauer. Einen für Männer links und einen für Frauen auf der rechten Seite. Die Bereiche, in denen sie beten, sind durch einen Zaun getrennt.

„Man darf die Steine berühren“, erklärt Regula. Manche Leute legen eine Hand an die Klagemauer und stützen sich mit dem Kopf darauf ab. „Hier an der Klagemauer wird bis heute über die Zerstörung des Tempels geklagt“, sagt die Reiseführerin.

Viele haben beim Beten einen Zettel in der Hand. „Man kann einen Zettel schreiben mit irgendeinem Wunsch“, sagt Regula: „Irgendetwas, was man sich ganz, ganz fest wünscht. Gesundheit zum Beispiel.“ Diese Zettel werden gefaltet und nach dem Beten in die Ritze und Spalten der Mauer gesteckt. Manche schreiben auch Gebete darauf oder bedanken sich für etwas. „Kinder wünschen sich oft gute Noten“, sagt Regula.

Weil jeden Tag viele Leute ihre Zettel in die Ritze stecken, fallen immer wieder welche herunter. Deshalb sammeln einige Leute diese Papierchen auf.

So werden nach und nach alle Zettel eingesammelt. Die Leute bestatten sie dann feierlich auf einem Berg in Jerusalem. Denn es widerspricht dem Glauben der Juden, die Zettel einfach wegzuwerfen.

Autorin: Jennifer Heck

Hintergrund

Ein heiliger Ort für drei Religionen

Mitten in der Altstadt von Jerusalem im Nahen Osten erhebt sich der Tempelberg. Gläubige verschiedener Religionen verehren den Berg als heiligen Ort: Christen, Juden und Muslime. Seinetwegen herrscht zwischen ihnen immer wieder Streit. Alle verbinden wichtige Ereignisse mit dem Tempelberg: Zum Beispiel soll Jesus, der Sohn Gottes, schon als Kind den Tempel auf diesem Berg besucht haben. Auch seine engsten Anhänger, die Apostel, sollen sich hier getroffen haben. Deshalb ist der Berg für gläubige Christen sehr wichtig.

Auf dem Gipfel des Tempelbergs stand vor etwa 2000 Jahren ein prächtiger jüdischer Tempel. Er soll der Ort des Herrn gewesen sein. Deshalb ist er für gläubige Juden heilig. Wo früher der Tempel stand, stehen heute der Felsendom und nebenan die Al-Aksa-Moschee. Beide sind sehr wichtig für gläubige Muslime und ihre Religion Islam. Ihr Prophet Mohamed soll von einem Felsen zum Himmel gefahren sein. Neben Mekka und Medina gehört der Berg deshalb zu den drei wichtigsten heiligen Stätten des Islam.

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