Tierwelt : Besuch bei den Berggorillas

Dies ist der Berggorilla Charles.
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Dies ist der Berggorilla Charles.

Wir haben in Afrika einige der weltweit letzten Berggorillas in freier Wildbahn beobachtet.

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04. April 2017, 23:36 Uhr

Charles macht gerade Mittagspause. Er liegt auf dem Rücken im grünen Gras und döst vor sich hin. Charles ist hier der Chef, das merkt man sofort. Wenn er losläuft, folgen ihm die anderen zwölf Berggorillas sofort.

Wir sind im Land Ruanda in Afrika unterwegs. Hier leben noch einige Hundert Berggorillas in freier Wildbahn. Die Tiere sind vom Aussterben bedroht. Es gibt derzeit nur noch rund 800 bis 900 Tiere, schätzen Experten.

Um Charles beobachten zu können, muss man sich auf eine lange Wanderung durch den Regenwald begeben. Der Führer schlägt mit der Machete immer wieder den Weg frei, überall versperren Pflanzen den Weg. Da es steil und vom Regen matschig ist, braucht man zwei Stöcke.

Der Führer macht die Gorilla-Geräusche nach, um herauszufinden, wo sich die Familie von Charles befindet. Ein anderer Begleiter trägt ein Gewehr bei sich. Damit kann er im Notfall Warnschüsse abgeben und Büffel verscheuchen. Die laufen hier frei herum und tauchen manchmal plötzlich aus dem Dickicht auf. Die Wanderung ist ein Abenteuer.

Damit keine Jäger die Gorillas töten, ist das alles ein großes Schutzgebiet. Nur 80 Urlauber dürfen pro Tag die unterschiedlichen Gorilla-Familien besuchen. Der Ausflug ist teuer. Etwa 700 Euro kostet er. Mit einem großen Teil der Geld-Einnahmen wird viel für die Menschen getan, die in der Gegend leben. Zum Beispiel wird die Versorgung mit Wasser verbessert und Medikamente werden finanziert.

Das Erlebnis, die Gorillas in freier Natur zu sehen, ist einmalig. Bis auf wenige Meter darf man sich Charles und den anderen Tieren nähern. Die Hände, die Füße, die Zähne, die Denkerpose – das alles sieht den Menschen schon manchmal verblüffend ähnlich.

Bei unserer Ankunft schläft Charles. Als er aufwacht, greift er sich erst einmal einen Ast mit Blättern und kaut ihn genüsslich. Dann knabbert er ein Stück Holz. Wenn die Gorillas die gegessenen Blätter verdauen, gibt es schon mal einen ziemlich lauten Pups.

Charles ist 25 Jahre alt. Experten schätzen, dass Berggorillas in der Wildnis etwa bis zu 40 Jahre alt werden. Ein ausgewachsenes Tier ist ein echter Brocken. Mit ihm sollte man sich nicht anlegen. Charles schaut genau, was passiert, wenn Menschen seine Gruppe besuchen.

Ein erst neun Monate alter Berggorilla läuft zwischen den Urlaubern her. Immer beobachtet von Charles. Mit seinen Blicken macht er den Besuchern klar: Wer hier jemanden aus seiner Familie ärgert oder ihm zu nahe kommt, der bekommt es mit dem mächtigen Boss zu tun.

Autor: Georg Ismar

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