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Serie : Aus Fischhandel wurde Zoo

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Zoo-Serie, Teil 4: Tierpark Hagenbeck lockt in Hamburg mit schönen Freigehegen

Der Tierpark Hagenbeck ist der schönste und wohl bekannteste Tierpark in Norddeutschland. Er ist über 100 Jahre alt. Es begann mit sechs Seehunden in Hamburg. Der Fischhändler Carl Hagenbeck lebte mehr schlecht als recht von seinem Geschäft. Da beschloss er im März 1848, seinen jüngsten Fang, nämlich die Seehunde, nicht zu verkaufen. Stattdessen stellte er die Tiere auf dem Spielbudenplatz zur Schau und verlangte dafür Eintritt. Die Schau war ein voller Erfolg. Am Ende konnte er die Tiere sogar noch gut verkaufen. Damit war der Grundstein für eine neue Geschäftsidee gelegt.

Der alte Hagenbeck betrieb seinen Fischladen weiter, nebenbei eröffnete er einen Tierhandel. Als sein Sohn, der ebenfalls Carl hieß, mit 15 Jahren in den Tierhandel einstieg, war ihm keine Aufgabe zu schwierig. So beschaffte er Elefanten, Tiger oder Löwen und belieferte Zoos und reiche Privatleute. Als er 20 Jahre alt war, gehörte er zu den wichtigsten Tierhändlern in Europa. 1866 übernahm er das Geschäft und baute es rasch zum größten Tierhandelshaus der Welt aus.

Carl Hagenbeck regierte sein Handelsimperium vom Schreibtisch aus. Von dort schickte er regelmäßig seine Jäger nach Asien und Afrika, um dort wilde Tiere einzufangen. Diese Exoten wurden auf seinem Tierhof ausgestellt und zogen viele Leute an, die die seltsamen Vierbeiner zwar bestaunten, aber nichts kaufen wollten. Kurzerhand legte er Öffnungszeiten fest und verlangte Eintritt.

Mitte der 1880er-Jahre besaß er eine Herde von Elefanten, die er aber nicht verkaufen konnte. Also gründete er einen Zirkus, und ab 1887 zog eine bunte Truppe aus Elefanten, Pferden, Löwen, Clowns und Akrobaten unter dem Namen Hagenbeck durch Deutschland. Das brachte den Kaufmann auf die Idee von Raubtier-Shows und er richtete eine Dressurschule für Wildtiere ein.

Doch die artgerechte Ausstellung der Tiere blieb sein größter Wunsch. Er fand Tiere hinter Gitterstäben bedrückend. Darum plante und entwickelte er das gitterlose Gehege, in dem sich die Tiere vor einer Kulissenlandschaft, nur durch einen breiten Wassergraben vom Publikum getrennt, bewegen sollten. So wollte Hagenbeck den Zoobesuchern die Illusion vermitteln, die Tiere in freier Wildbahn zu erleben. In Stellingen, außerhalb von Hamburg, kaufte er Land und eröffnete 1907 den ersten gitterlosen Tierpark der Welt. Auf dem 25 Hektar großen Gelände präsentierte er exotische Tiere: Robben und Eisbären im Eismeer, die Löwen in der Löwenschlucht, die Affen auf dem Affenfelsen, alles ohne Gitter, nur durch Wassergräben vom Publikum getrennt. Die Fachwelt lehnte Hagenbecks Konzept zwar ab, aber trotz aller Kritik fand die Zoo-Idee viele Nachahmer. Langfristig setzte sich das gitterfreie Konzept weltweit durch.

Autor: Ronny Stein

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