Tierwelt : Auch Bienen brauchen Schlaf

Eine einzelne Biene kann jeden Tag Hunderte Blüten anfliegen.
Eine einzelne Biene kann jeden Tag Hunderte Blüten anfliegen.

Wie und wann die Tiere schlummern, hängt von ihrer Aufgabe im Bienenvolk ab.

svz.de von
14. Mai 2019, 17:05 Uhr

Sie fliegen durch die Luft von Blüte zu Blüte und sammeln eifrig Nektar. Hunderte Blüten kann eine Biene an einem einzigen Tag ansteuern. Bienen haben also ein anstrengendes Leben. Ähnlich wie wir Menschen brauchen auch sie daher Schlaf. „Dabei geht es aber weniger darum, dass der Körper Erholung braucht. Schlaf ist vor allem wichtig für das Gedächtnis“, erklärt der Bienenforscher Jürgen Tautz. Während wir schlafen, werden die Informationen verarbeitet, die tagsüber auf uns einprasseln. Das sei bei Menschen und Bienen vermutlich gleich.

Wie und wann eine Biene schläft, hängt von ihrer Aufgabe im Bienenvolk ab. Die jungen Bienen zum Beispiel verbringen die ersten drei Wochen ihres Lebens im dunklen Bienenstock. Dort sind sie als Arbeiterinnen unterwegs. Das bedeutet: Sie halten das Nest sauber, kümmern sich um die Larven und bauen neue Waben aus Wachs. „Die Arbeiterinnen haben einen unregelmäßigen Schlaf-Rhythmus“, erklärt Jürgen Tautz. Sie halten immer wieder kurze Nickerchen. Dazu krabbeln sie zum Beispiel – Kopf voraus – in eine leere Wabe.

Dass eine Biene dort schläft, erkennt man an ihrem Hinterleib. Normalerweise wippt dieser schnell auf und ab, wenn sich eine Biene anstrengt. Auf diese Weise pumpen die Bienen Sauerstoff in die Tracheen. So nennt man die kleinen Kanäle, die das Atemsystem der Insekten bilden. Schlafen die Arbeiterinnen, brauchen sie weniger Sauerstoff. Ihr Hinterleib bewegt sich also seltener auf und ab.

Die Sammelbienen haben dagegen einen anderen Rhythmus. „Sie sind den ganzen Tag unterwegs und schlafen nur noch nachts“, erklärt der Experte. Forscher haben entdeckt, dass die Tiere dazu ihren Kopf und ihren Hinterleib zwischen zwei Waben drücken. Die Fühler und die Beine lassen sie entspannt hängen. Dieses Verhalten sahen die Forscher vor allem in Beobachtungsstöcken. Das sind Bienenstöcke, in die man durch eine Scheibe hineinschauen kann.

„In der freien Natur leben Bienen aber ganz anders. Dort bauen sie ihre Nester zum Beispiel in Baumhöhlen. Das kann bedeuten, dass sie dort ganz anders schlafen“, sagt Jürgen Tautz. Und tatsächlich: Die Forscher haben in so einem Nest eine besondere Entdeckung gemacht. Dort bildeten die Sammelbienen nachts eine Art Schlafsack. Dazu verhakten sie ihre Beine ineinander und bildeten einen Sack. „So verharren sie die ganze Nacht über“, verrät der Experte.

Autorin: Stefanie Paul, dpa

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen