Artistik : Ihr Leben ist ein Zirkus

Jolina (oben) und Selena präsentieren ihre Kunststücke. Fotos: Verena Teske
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Jolina (oben) und Selena präsentieren ihre Kunststücke. Fotos: Verena Teske

Jolina und Selena sind in der Manege zu Hause.

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27. August 2015, 23:08 Uhr

Auf ihren großen Auftritt in Ludwigslust bereiten sich gerade die Artisten vom „Circus Busch“ vor. Es ist viel zu tun vor einer Show. Die Tiere müssen versorgt, die Technik geprüft und Kunststücke geprobt werden. Während zum Beispiel Dompteur René Scholl draußen die Elefanten füttert, trainiert im Showzelt Luftakrobatin Natascha Frank an weißen Vertikaltüchern.

Von unten schauen zwei Mädchen besonders genau zu. „Ich möchte auch einmal Luftakrobatin werden. Das ist mein großer Traum“, verrät Nachwuchsartistin Jolina Scholl, die gemeinsam mit ihrer Cousine Selena Frank die geschmeidigen Bewegungen der Artistin beobachtet.

Ob Akrobatik, Clownerie, Zauberei oder Tierdressuren – in der Manege hat jeder Darsteller seine Aufgabe. Auch die Kinder fangen früh an, sich auf eine bestimmte Darbietung zu spezialisieren. So übt Jolina momentan Kunststücke mit mehreren Hula-Hoop-Reifen oder das Jonglieren mit den Füßen. Dabei liegt sie auf einem Hochstuhl und rollt einen Stab hin und her. Bei der Show darf die Zehnjährige gemeinsam mit ihrem Bruder die Lichtspots auf die Künstler richten. „Das Rampenlicht finde ich am besten. Und den Applaus der Gäste. Das ist immer ein tolles Gefühl“, erzählt Jolina.

„Und ich freue mich, wenn wir in den Ferien bei unseren Zirkusfamilien zu Gast sind“, sagt die elfjährige Selena, die ihre Cousine drei Wochen begleitet hat.

Sind die Ferien vorbei, gehen die Zirkuskinder von Dienstag bis Freitag immer dort zur Schule, wo sie gerade Halt machen. Wenn sie aber zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen sind, kommen Zirkuslehrer zu ihnen, um sie in allen Fächern zu unterrichten. In einem Schultagebuch ist dann der Unterrichtsstoff aufgelistet, damit die Lehrer in einer anderen Schule wissen, wo sie mit ihrem Unterricht anknüpfen können. Jolina und Selena haben jeweils vier Tage in Woche Schule. Denn montags ist der Anreisetag von einem Gastspielort zu einem anderen.

Für die beiden Mädchen ist es völlig normal, von März bis Mitte Oktober eines Jahres von einer Stadt zu einer anderen zu reisen und ihr Zuhause auf Rädern einfach mitzunehmen. Die Wohnwagen sind etwa 12 Meter lang und 2,5 Meter breit. Dort haben die Mädchen Platz für ihre Spielsachen, ihre Schulbücher und natürlich zum Schlafen.

„Wir haben den größten Spielplatz, den man nur haben kann. Unser Leben ist ein Zirkus“, sagt Jolina schmunzelnd. „Und ein Pferdeparadies dazu“, ergänzt Selena.

Autorin: Verena Teske

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