tiere : „Ich suche meine Katze“

Eine Katze liegt in ihrem Vermittlungsgehege.
Eine Katze liegt in ihrem Vermittlungsgehege.

Im größten Tierheim Deutschlands behält Frau Pieper den Überblick.

svz.de von
11. Dezember 2014, 22:52 Uhr

Bei Dagmar Pieper am Haupteingang des Tierheims Berlin ist viel los. Eine Warteschlange hat sich gebildet. Die meisten Leute haben Kisten oder Körbchen in der Hand. Manche schauen traurig. Sie warten darauf, ihr Tier abzugeben. Durch das Gitter erkennt Frau Pieper oft schon, um welches Tier es geht. „Was kann ich für Sie tun?“, fragt sie einen Mann mit zwei Katzen im Transportkorb. Er erklärt, dass er in ein anderes Land ziehen wird und seine beiden Kätzchen leider nicht mit dahin nehmen darf. Er hat vorher bei Frau Pieper angerufen und nach einem Platz gefragt. Denn der ist hier knapp im größten Tierheim Deutschlands.

„Manchmal müssen wir die Abgabe von Tieren ein paar Tage schieben, bis ein Tier vermittelt wurde und wieder ein Platz frei ist“, sagt Frau Pieper. Sie gibt dem Mann zwei Formulare und einen Kugelschreiber. Auf dem Formular stehen viele Fragen. „Wir wollen möglichst viel wissen über das Tier“, sagt Frau Pieper. „Über seine Verhaltensweisen und Eigenschaften und Vorlieben, auch was das Futter angeht. Sonst müssten wir raten, was das Tier vorher bekommen hat, wenn es bei uns nicht frisst“. Deshalb muss der Mann auch zwei Formulare ausfüllen. Eines für jede Katze. Denn jedes Tier ist ein bisschen anders.

Als Nächstes ist ein Mann mit leeren Händen dran. „Ich suche meine Katze“, sagt er. „Dann gehen sie bitte zur Tiersammelstelle nebenan und fragen dort nach, ob ihr Tier abgegeben wurde“, sagt Frau Pieper. Über diese Tiere weiß Frau Pieper nicht viel. Die meisten werden von ihrem Besitzer vermisst und schon bald wieder nach Hause gebracht. Kommt allerdings in fünf Tagen niemand, um das Tier abzuholen, sind auch sie ein Fall für Frau Pieper. Denn dann werden sie ins Tierheim aufgenommen und können an neue Besitzer vermittelt werden. Der Mann kommt ein paar Minuten später mit leeren Händen wieder aus der Sammelstelle. Sein Tier hat wohl noch niemand hier abgegeben.

Eine Frau hat mehr Glück. „Mein Hund ist weggelaufen“, sagt sie. Auch sie wird von Frau Pieper gebeten, direkt in der Sammelstelle nachzufragen. Dort wartet der kleine Racker bereits auf sein Frauchen.

Auch ein rot getigerter Kater darf das Tierheim verlassen. Die Tierpfleger haben ein passendes Zuhause für ihn gefunden. Dazu muss die neue Besitzerin einen Vertrag unterschreiben und eine Gebühr bezahlen. „Das ist eine Aufwandsentschädigung, die viel geringer ist, als die Kosten, die wir mit den Tieren haben“, sagt Frau Pieper. „Zum Beispiel für Futter. Außerdem haben Tiere einen Wert an sich. Es ist für uns auch wichtig, dass das Tier nicht verscherbelt wird“. Die neue Besitzerin ist glücklich, dass sie dem roten Kater nun ein neues Zuhause schenken kann. Sie hatte eine Katze, aber die war gestorben. „Es ist ein großes Glück, dass wir uns gefunden haben“, sagt die Frau. „Ich bin ganz, ganz froh, dass ich nicht allein nach Hause gehe.“

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