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Junge Zeitung

20. November 2017 | 09:02 Uhr

Beruf : „Ich lache sehr oft“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Susanne Jung ist Bestatterin und hat mit toten Menschen zu tun. Trotzdem findet sie ihren Beruf nicht traurig.

Wenn Susanne Jung einen Anruf bekommt, dann ist häufig gerade ein Mensch gestorben. Sie ist Bestatterin von Beruf. Das heißt, sie sorgt dafür, dass tote Menschen beerdigt werden. Karlotta Ehrenberg hat sie in ihrem Bestattungs-Institut getroffen.

Sitzen Sie den ganzen Tag in Ihrem Institut und warten, bis einer stirbt? 

Susanne Jung: Nein, zum Glück gibt es ja Telefon. Darüber bin ich Tag und Nacht erreichbar. Der Tod kommt ja nicht zu irgendwelchen Bürozeiten, sondern auch, wenn ich gerade schlafe, einen Kuchen backe oder im Garten Unkraut jäte.

Was machen Sie dann?

Ich biete den Angehörigen an, dass ich sofort komme. So können sie gleich mit jemandem sprechen, der weiß, was nun zu tun ist.

Was ist denn zu tun?

Der Verstorbene muss gut gebettet und angekleidet werden. Man sagt auch: Er bekommt sein letztes Gewand. Das sind meist Kleider, die der Verstorbene gerne getragen hat. Meist helfen mir die Angehörigen dabei.

Aber ist das nicht gruselig, einen Toten anzufassen?

Man muss sich nur trauen. Der Verstorbene fühlt sich kalt an. Er sieht oft auch etwas anders aus. Denn die Gesichtszüge sind entspannt, und die Augen ein wenig eingesunken. Aber es ist immer noch ein Mensch. Und für die Angehörigen der vertraute Freund oder Verwandte. Also nichts, wovor man sich fürchten muss.

Und was passiert dann?

Wenn alle Abschied genommen haben, rufe ich das Fuhrunternehmen an. Die kommen dann mit einem Leichenwagen und nehmen den Verstorbenen in einem Sarg mit.

Wo kommt der dann hin? Der Verstorbene wird in eine Kühlung gebracht. So einen Kühlraum haben in großen Städten die Fuhrunternehmen. In kleinen Städten ist der aber auch oft beim Bestatter. Dort bleiben die Verstorbenen bis zur Bestattung.

  Ist es nicht traurig, ständig mit dem Tod zu tun zu haben?

Nein, das ist gar nicht nur traurig. Ich lache sehr oft. Es werden oft tolle und auch lustige Geschichten über den Verstorbenen erzählt. Außerdem ist es schön zu erleben, wie Menschen getröstet werden und durch eine Trauerfeier ein wenig über ihre Trauer hinwegkommen. Da spüre ich deutlich, wie wichtig es ist, was ich mache.

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