Hier machen die Kinder die Regeln

Die Fair Play Liga funktioniert ohne Schiedsrichter, der die Regeln vorgibt. Trotzdem gibt es beim Spielen keinen Streit.
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Die Fair Play Liga funktioniert ohne Schiedsrichter, der die Regeln vorgibt. Trotzdem gibt es beim Spielen keinen Streit.

In der Fair Play Liga gibt es keinen Schiedsrichter - die jungen Spieler entscheiden alleine, ob jemand gefoult hat

svz.de von
10. Dezember 2013, 00:36 Uhr

Niklas steht am Rand des Fußballfelds. Er und die anderen Spieler aus seiner Mannschaft warten darauf, dass sie auf den Platz dürfen und endlich spielen können. Alles sieht so aus, als würde hier gleich ein ganz normales Fußballspiel stattfinden. Es gibt Fußballspieler, Fans am Spielfeldrand und zwei Tore. Aber etwas fehlt: der Schiedsrichter.


Trainer mischt sich nicht ein


„Bei uns gibt es keinen Schiedsrichter“, erklärt Niklas. Niklas ist der Torwart der Mannschaft. „Wenn wir entscheiden müssen, ob jemand gefoult hat oder ob ein Ball im Aus war, dann machen wir das alleine.“ Niklas spielt Fußball in der Fair Play Liga (gesprochen: fär pläi liga). In dieser Liga spielen Kinder, die jünger sind als elf Jahre. Das Besondere: Entscheidungen während des Spiels werden nur von den Kindern selbst getroffen. Auch die Trainer und Zuschauer mischen sich nicht ein.


Spieler entscheiden gemeinsam


Wie das geht, zeigen Niklas und die anderen beim Spiel: Als es endlich losgeht, stürmen sie auf den Platz. Es dauert nicht lange, da schießt ein Junge den Ball ins Aus. An dieser Stelle hätte es vielleicht einen Streit geben können zwischen den Mannschaften. Doch die Spieler sind sich einig. „Aus“», rufen sie alle gleichzeitig. Der Ball wird eingeworfen. Einen Schiedsrichter, der ihnen sagt, was sie tun sollen, brauchen sie nicht.

„Eine richtig schwierige Situation, in der wir uns nicht einigen konnten, gab es noch nie“, sagt Niklas. „Ich mag es, wenn wir alles selber machen“. Und dann erklärt er: „Es ist gut, wenn die Erwachsenen sich nicht einmischen.“


Ohne Schiedsrichter macht es mehr Spaß


Manchmal gibt es aber Erwachsene, die alles besser wissen. Sie rufen während des Spiels ihren Kindern zu, was sie machen sollen. Auch Niklas kennt solche Eltern. In seinem Verein sind die Eltern jedoch nur zum Anfeuern mitgekommen. Sie schreien nicht herum und lassen Niklas und die anderen in Ruhe Fußball spielen. Bei Spielen gibt es für die Zuschauer einen eigenen Bereich, der einige Meter vom Spielfeld entfernt ist. Das sorgt dafür, dass die Spieler auf dem Feld nicht von ihnen gestört werden. So kann niemand den Kindern in ihre Entscheidungen hineinreden. Am Ende des Spiels geht Niklas zufrieden vom Platz. Seine Mannschaft hat gewonnen – mit 7:2. „Mit Schiedsrichter wäre das Spielen manchmal vielleicht einfacher“, sagt er, „aber ohne macht es mehr Spaß.“


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