Tierwelt : Gruselige Angsthasen

Piranhas verstecken ihre Beißerchen hinter einer dicken Lippe. Meistens kann man sie gar nicht sehen.
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Piranhas verstecken ihre Beißerchen hinter einer dicken Lippe. Meistens kann man sie gar nicht sehen.

Sie gelten als gefährlich: Piranhas haben messerscharfe Zähne. So schlimm wie ihr Ruf sind sie aber nicht.

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21. März 2014, 17:00 Uhr

Ein paar Kinder sind gerade in das Aquarium-Haus gestürmt. In der einen Hand haben sie ein Blatt Papier, in der anderen Hand einen Stift. Sie rennen schnell von einer Glasscheibe zur anderen. „Wo sind sie denn bloß?“, ruft ein Junge ungeduldig. Die Kinder feiern hier im Zoo Geburtstag. Bei einem Spiel müssen sie bestimmte Tiere entdecken und Fragen beantworten. „Hier sind sie“, kreischt ein Mädchen plötzlich – und die anderen Kinder flitzen schnell zu ihm an die Glasscheibe. „Das sind sie? Ich dachte, die würden gefährlicher aussehen“, sagt der Junge. Er klingt fast ein bisschen enttäuscht.

In dem Aquarium vor den Kindern schwimmen ein paar kleinere Fische. Einige ihrer Schuppen glitzern und funkeln im Licht. Fast so, als wären sie aus Gold. Die Fische, die so harmlos aussehen, sind Piranhas (gesprochen: Piranjas). Sie gelten als gefährlich. Denn sie haben messerscharfe Zähne. Damit könnten sie auch leicht einen Menschen beißen und verletzen. Ihre scharfen Zähne verstecken die Fische allerdings hinter einer dicken Lippe. So, dass man sie meist gar nicht sehen kann. Erst wenn sie ihr Maul aufmachen, kann man die kleinen Zähnchen erkennen. Sie sind zwar nur einige Millimeter groß, aber superscharf. Über Piranhas gibt es viele schreckliche Grusel-Geschichten. „Aber viele davon sind erfunden oder stark übertrieben“, sagt der Fachmann Volker Grün. Er arbeitet im Zoo der Stadt Duisburg in Nordrhein-Westfalen. So blutrünstig, wie die Raubfische häufig dargestellt werden, sind sie meist nicht.

Piranhas fressen zum Beispiel nicht einfach so einen lebenden Menschen auf, wie es in manchen Erzählungen heißt. Stattdessen seien Piranhas eher scheu und vorsichtig. Sie ernähren sich vor allem von kranken und toten Tieren, sagt der Experte. Angelockt werden die Fische dabei von Blut oder von den zappelnden Bewegungen. Außerdem gibt es viele Piranhas, die überhaupt kein Fleisch fressen. Sie sind Vegetarier. Sie ernähren sich von Pflanzen wie Algen.

„Piranhas gibt es nur in Südamerika“, erklärt Volker Grün. Sie leben in Flüssen wie dem Amazonas oder dem Orinoko. Dort verstecken die Tiere sich die meiste Zeit zwischen Wasserpflanzen oder abgestorbenen Hölzern. „In diesen Flüssen gehen zum Beispiel auch Menschen baden. Ohne, dass sie angegriffen oder gebissen werden“, so der Fachmann.

Im Zoo sind die Kinder jetzt schon längst das nächste Tier suchen gegangen. Währenddessen erzählt Volker Grün, dass Piranhas manchmal überhaupt nicht Furcht einflößend seien. Sie fühlen sich nämlich nur in einer Gruppe oder einem Schwarm wohl. Sei ein Piranha allein, bekomme er Angst und gerate in Panik. Dann werde aus dem Fisch ein richtiger Angsthase.

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