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Luftfahrt : Geschichte in acht Minuten

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Vor 75 Jahren startete in Rostock die „Heinkel He 178“ als erstes Düsenflugzeug der Welt

Bei Rostock denkt man ja eher an Schiffe oder an Koggen. Trotzdem war es die Hansestadt an der Ostsee, in der vor 75 Jahren, am 27. August 1939, das erste Düsenflugzeug der Welt startete. Wenige Tage vor Beginn des Zweiten Weltkrieges erhob sich die Maschine vom Typ „Heinkel He 178“ vom Flughafen Rostock-Marienehe in die Luft. Der Rumpf des Flugzeugs war aus Aluminiumblech, die Flügel aus Holz, das gegen die Hitze des Triebwerkes mit Asbest beschichtet war. Gerade mal acht Minuten dauerte der Flug. Lange genug, um in die Geschichte der Luftfahrt einzugehen.

Vater dieses ersten Flugzeuges, das von einem Stahltriebwerk angetrieben wurde, war der 1888 geborene Ernst Heinkel. Ein Besessener, der als Student 1908 im baden-württembergischen Echterdingen das große Zeppelinunglück miterlebt hatte. Zeppeline waren Luftschiffe. Sie sahen aus wie eine Mischung aus einem Ballon und einer Zigarre und wurden, wie auch Flugzeuge damals noch, mit Propellern angetrieben. Ein Zeppelin explodierte. Das sah Heinkel und war deswegen davon überzeugt, dass die Zukunft nicht dem Zeppelin, sondern dem Flugzeug gehöre.

1922 gründete er in Rostock-Warnemünde seine Heinkel Flugzeug Werke. 50 000 Mann arbeiteten damals für ihn. Viele davon waren Gefangene, die dazu gezwungen wurden. Heinkel war in der Partei der Nazis, der NSDAP. Deswegen stand er nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges auch als Angeklagter vor Gericht. Mit Hans von Ohain fand er einen Ingenieur, der mit ihm im Auftrag der Nationalsozialisten Jagdflugzeuge entwickeln sollte. Weil sich der eigenbrötlerische Heinkel bei der Konstruktion des Triebwerks aber immer wieder verzettelte und keinen Zeitplan einhielt, kam es regelmäßig zu Konflikten mit der Heerleitung. Die hatte deswegen bald kein Interesse mehr, weswegen Ernst Heinkel die Entwicklung der „He 178“ privat auf eigene Kosten finanzierte. Nicht mehr als zwölf Testflüge machte die Heinkel He 178. Bis zum Ende des Weltkrieges stand das Düsenflugzeug im Rostocker Werk, wo es 1945 bei einem Luftangriff zerstört wurde. Ein Nachbau der Maschine kann heute in der kleinen Ausstellung zur Geschichte der Luftfahrt im Flughafen Rostock-Laage besichtigt werden. Ein zweiter Nachbau befindet sich im Phantechnikum in Wismar, einem Erlebniszentrum, das sich der Technikgeschichte Mecklenburg-Vorpommerns widmet.




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