Sport : Eine Stadt ist „meschugge“

Joanna hat beim Reitturnier mitgemacht: „Ich bin stolz, dass ich bei der Maccabiade dabei sein darf.“
Joanna hat beim Reitturnier mitgemacht: „Ich bin stolz, dass ich bei der Maccabiade dabei sein darf.“

Gestern ging in Berlin ein Wettkampf mit jüdischen Sportlern aus aller Welt zu Ende. Es war ein besonderes Ereignis.

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05. August 2015, 23:24 Uhr

An den European Maccabi Games (EMG), wie der internationale jüdische Sportwettkampf offiziell heißt, haben 2300 Sportler aus 36 Ländern teilgenommen. Sie kamen aus Amerika, aus Asien und die meisten natürlich aus Europa. Sogar aus der Türkei kamen 130 Türken mit jüdischem Glauben. Die Mannschaften haben in 19 Disziplinen gegeneinander gekämpft. Sie sind um die Wette geschwommen, haben Tennis gespielt und natürlich gab es auch Frauenfußball- und Männerfußballmannschaften, die jeweils gegeneinander angetreten sind. Doch spielten sie auch Futsal, was Hallenfußball bedeutet oder Ten Pin Bowling, was nichts anderes ist, als ein sehr präzise gespieltes Kegeln.

Joanna Allmeling ist aus Hamburg angereist, um an dem Reitturnier der Maccabi Spiele teilzunehmen. Die 16-Jährige freut sich sehr, dass sie eingeladen wurde und hat gleich zugesagt. Joanna reitet eine zwölf Jahre alte Stute, die „White Sun“ heißt und hat mit ihrer Mannschaft vorgestern eine Silbermedaille beim EMG bekommen. Sie findet es toll, dass so viele Nationen zusammengekommen sind, all die Menschen sich kennenlernen konnten und „das Event wegen der Historie etwas Besonderes darstellt“, sagt sie.

Der Weltverband der Maccabiade, was eine Art von Olympiade für Menschen mit jüdischem Glauben ist, wurde bereits zwischen den beiden Weltkriegen gegründet, das heißt, schon bevor 1933 der Nationalsozialist Adolf Hitler gewählt wurde und in Deutschland regierte. Denn bereits vorher gab es Antisemitismus in Deutschland und Menschen wurden von verschiedenen sportlichen Veranstaltungen ausgeschlossen, weil sie dem jüdischen Glauben angehörten. Dann kam das Jahr 1936, ein einschneidendes Datum nicht nur für die Maccabi-Teilnehmer, sondern für alle Sportler. In diesem Jahr fanden die Olympischen Spiele in Berlin statt. Doch Hitler erlaubte keinem einzigen jüdischen Sportler, mitzukämpfen. Er sagte, dass die Juden weniger wert seien, weil sie einer anderen Rasse angehören. Damit unterschied er zwischen Rassen, die angeblich besser sein sollen oder schlechter. Das passt gar nicht zu unseren Menschenrechten.

70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs fanden die Maccabi Spiele jetzt erstmals in Deutschland statt. Für all die jüdischen Sportler war es ein ganz besonderes Gefühl, dass sie nach so vielen Jahren im Berliner Olympiapark auftraten, von wo einst Menschen ihres Glaubens verbannt worden waren. Ihr Ziel war es, eine Botschaft für Toleranz und Offenheit und gegen Rassismus und Antisemitismus zu verbreiten.

So stand Berlin kopf und freute sich wie verrückt über den internationalen jüdischen Besuch. Oder anders ausgedrückt: „Ganz Berlin war meschugge“, wie es im Jiddischen, der Sprache der Juden, heißt. So lautete auch der Slogan der Maccabi Games.

Autorin: Zehra Kübel

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