zur Navigation springen

Tierwelt : Ein Waschbär im Karton

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Clemens hat ein Waschbär-Baby gerettet / Aber Experten sagen: Wer junge Wildtiere findet, muss vorsichtig sein

Nanu, was ist denn das? Im Haus der Familie Schieck versteckt sich ein ungewöhnliches Tier im Katzenkorb. Es hat borstiges Fell, eine spitze Schnauze und vier geschickte Pfoten mit langen Fingern. Ein bisschen sieht es so aus, als hätte es eine Maske auf. Denn seine Augen sind von schwarzem Fell umgeben.

Bei den Schiecks wohnt gerade ein kleiner Waschbär. Aber so ein Wildtier gehört doch eigentlich in den Wald. Was macht der Waschbär dann im Haus? „Ich war mit Oma im Wald spazieren. Da haben wir einen ganz kleinen Fellhaufen auf dem Weg gefunden“, erzählt Clemens. „Oma hatte ihre Brille nicht auf. Die dachte erst, das wäre ein Igel.“ Doch der achtjährige Junge und seine Oma hatten ein Waschbär-Baby vor sich. Die beiden hatten den Eindruck, dass das Tier völlig entkräftet war. Vielleicht hatte es seine Mama verloren, fragten sie sich.

Deswegen entschied Clemens sich sofort: Sie mussten dem Tier helfen. Opa Schieck setzte den Waschbären in einen Schuhkarton und gab ihm ein bisschen Katzen-Milch aus einer Pipette. „Danach hat er sich lange ausgeschlafen“, sagt Clemens. „Hätten wir Wugg nicht mitgenommen, wäre er bestimmt gestorben.“ Wugg – so hat Clemens den kleinen Waschbären genannt.

Bei Familie Schieck scheint es Wugg richtig gut zu gehen. Seine Augen hat er längst aufgemacht und viel größer ist er auch schon geworden. Ein Kilo wiegt er jetzt. Kein Wunder, denn Wugg hat viel Hunger und trinkt jeden Tag eine ganze Menge Aufzucht-Milch.

Noch tobt Wugg durch den kleinen Wintergarten der Familie Schieck. Dort nagt er am liebsten auf seiner Spielzeug-Maus herum. Wenn ihn Clemens streichelt, dann schnurrt Wugg wie eine Katze.

Doch auch, wenn Wugg furchtbar niedlich ist – Waschbären sind keine Haustiere. „Wenn Wugg groß ist, müssen wir ihn auswildern“, sagt Clemens. Aber ob der kleine Bär von alleine Futter findet? Seine Mama hat es ihm ja nicht zeigen können.

„Waschbären, die zu sehr an Menschen gewöhnt sind, lernen nur schwer, allein zu überleben“, erklärt der Experte Andreas Kinser. Denn die Tiere lernen ja nicht, wo sie am besten Futter finden. Und es gibt noch ein Problem: Ein Waschbär, der bei Menschen aufgewachsen ist, könnte später nicht mit seinen Artgenossen klarkommen. Denn er hat nicht gelernt, wie er mit ihnen umzugehen hat.

Wugg sollte deswegen später eher nicht in die freie Natur gelassen werden, sagt Andreas Kinser. Besser wäre ein Tierpark. Und der Experte rät: Wer ein junges Wildtier findet, sollte es erst mal besser nicht mitnehmen. Denn es könnte sein, dass die Mutter noch in der Nähe ist und zurückkommt, um ihr Kind zu holen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen