Tierwelt : Ein putziger Räuber

waschbär

Der Waschbär kommt aus Nordamerika / Sein Verhalten ist noch wenig erforscht

svz.de von
29. Juli 2014, 16:23 Uhr

Er ist klein, pelzig und trägt eine schwarze Maske auf dem weißen Gesichtsfell. Der Waschbär ist immer öfter in unserer Umgebung zu entdecken. Weil er ein ausgeprägtes Wanderverhalten besitzt, legt er auf der Suche nach geeigneten Lebensräumen weite Strecken zurück. Zunehmend wagt sich der muntere Räuber auch in stadtnahe Wohngebiete, quartiert sich gern in verlassenen Gebäuden, Garagen oder auf Dachböden ein. Am Abend durchwühlt er Mülltonnen auf der Suche nach Nahrung.

Seinen Namen hat er von einer putzigen Gewohnheit. Denn es sieht so aus, als würde er seine Nahrung waschen. Doch der Schein trügt. Der Waschbär bewegt seine Beute mit seinen Vorderpfoten im Wasser und prüft sie. So entsteht der Eindruck, als ob er seine Beute wäscht.

„Waschbären gehören zu den am wenigsten erforschten Raubtieren in Deutschland“, sagt der Biologe Frank-Uwe Michler von der Gesellschaft für Wildökologie und Naturschutz (GWN). Er untersucht im Müritz-Nationalpark das Verhalten der kleinen Bären. Dazu hat er Waschbärfallen aufgestellt. Die eingefangenen Tiere werden später, ausgerüstet mit einem Senderhalsband, wieder freigelassen. So versuchen die Forscher, möglichst viel über die Lebensgewohnheiten der nachtaktiven Parkbewohner herauszufinden.

Der kleine Bär, ungefähr katzengroß, stammt ursprünglich aus Nordamerika. Weil er weiches, dichtes Fell besitzt, wurde er 1920 nach Deutschland gebracht. Sein Pelz war damals begehrt und so entstanden Farmen, auf denen er gezüchtet wurde. 1934 wurden dann Waschbären am hessischen Edersee ausgesetzt. In der Freiheit vermehrte sich der Räuber, weil er keine natürlichen Feinde hatte. Waschbären bringen je nach Jahreszeit ein Gewicht zwischen fünf und zehn Kilogramm auf die Waage. Sie sind Allesfresser, jagen junge Vögel und Mäuse, sammeln aber auch Früchte und Samen. Im Winter halten sie Winterruhe.

Waschbären leben gern mit Artgenossen zusammen. Sie können bis zu zehn Jahre alt werden.

Jäger und Naturschützer fürchten heute, dass der kleine Bär der Vogelwelt schadet, weil er den am Boden brütenden Vögeln die Eier aus den Nestern stiehlt. „Wie groß diese Gefahr tatsächlich ist, weiß niemand genau“, sagt Michler. Im Rahmen seines Forschungsprojekts will er nun herausfinden, ob etwa die Kraniche in Gefahr sind, die in den Feuchtgebieten des Müritz-Nationalparks brüten.

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