Beruf : Ein Doktor für Uhren

Uhrmachermeister Friedrich Bischoff nimmt eine Taschenuhr unter die Lupe.
Foto:
1 von 2
Uhrmachermeister Friedrich Bischoff nimmt eine Taschenuhr unter die Lupe.

Wenn eine Uhr stehen bleibt oder nachgeht, ist ein Uhrmacher wie Friedrich Bischoff gefragt.

svz.de von
23. September 2015, 23:54 Uhr

Das Ticken vieler Uhren erfüllt den Raum. Ein helles Klingeln hier, ein tiefer Ton da. Eine Standuhr meldet sich mit einem dunklen Gong. „Ich habe mich auf alte Uhren spezialisiert“, erklärt Friedrich Bischoff. Er ist Uhrmacher-Meister. „Anders als die meisten modernen Uhren haben die noch ein mechanisches Uhrwerk.“ Arbeit hat Herr Bischoff reichlich. Die Uhren bedecken ganze Wände.

Die beiden Werktische sind voll von kleineren Stücken: Armbanduhren, Taschenuhren. „Eigentlich ist die Bezeichnung Uhrmacher nicht ganz richtig“, meint er. „Wir machen heutzutage keine Uhren mehr, sondern warten und reparieren sie.“ Friedrich Bischoff ist also eher ein Uhrendoktor. Der Mann greift nach einer Tischuhr. „Die habe ich gestern repariert“, sagt Herr Bischoff und schaut auf eine andere Uhr. „Geht immer noch sieben Minuten nach. Muss ich also noch mal regulieren.“

Herr Bischoff klappt die Rückseite der Uhr auf. Es erscheint ein Uhrwerk aus unzähligen feinen Teilen. Darin bewegt sich eine winzige Spirale hin und her. Herr Bischoff erklärt: „Das ist die Unruhwelle. Wie ein Pendel bei einer Standuhr gibt sie die Geschwindigkeit vor.“

Herr Bischoff stellt einen winzigen Hebel ein Stück weit nach rechts. „Jetzt geht die Uhr etwas schneller. Morgen weiß ich, ob es stimmt. Wenn nicht, muss ich sie noch mal anders einstellen.“ Hier ist also nicht nur Fingerspitzengefühl gefragt, sondern auch Geduld.

Als Nächstes nimmt sich Herr Bischoff eine Taschenuhr vor. „Häufig sind einzelne Teile verschlissen und müssen ersetzt werden“, erklärt er. Nicht immer findet Herr Bischoff das richtige Ersatzteil. Dann muss er es nachbauen.

Aber wird das nicht auf Dauer langweilig, immer wieder Uhren auseinanderzubauen und wieder zusammenzusetzen? Herr Bischoff schüttelt lachend den Kopf. „Das Spannende ist ja, dass jede Uhr anders ist“, sagt er.

Autorin: Karlotta Ehrenberg

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen