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Junge Zeitung

22. November 2017 | 03:08 Uhr

Lesen : Ein Abc für Blinde

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Es gibt eine spezielle Schrift für blinde Menschen / Erfunden wurde sie von dem Franzosen Louis Braille

Als Louis Braille sich beim Spielen in der Werkstatt seines Vaters so sehr am Auge verletzte, dass er davon erblindete, war er erst drei Jahre alt. Das ist rund 200 Jahre her. Wahrscheinlich würde sich heute niemand mehr an den Franzosen erinnern, hätte er nicht etwas sehr Nützliches erfunden: eine spezielle Schrift für Blinde.

Braille war ein sehr wissbegieriges Kind. Als er zehn Jahre alt war, schickte ihn sein Vater in eine sogenannte Blindenanstalt nach Paris. Dort erhielt er zusammen mit anderen blinden Kindern Unterricht. Später arbeitete er dort als Hilfslehrer. Da Braille unbedingt lesen und schreiben wollte, tüftelte er schon mit 16 Jahren eine Schrift für Blinde aus: Diese nach ihm benannte Brailleschrift war mit den Fingerkuppen zu ertasten. Die Buchstaben wurden durch kleine kreisförmige Erhebungen auf Karton dargestellt.

Die Idee für ein Schriftsystem aus Punkten hatte auch der französische Hauptmann Charles Barbier gehabt. Er wollte es seinen Soldaten ermöglichen, im Dunkeln geheime Nachrichten auszutauschen. Barbiers Schriftzeichen bestanden aus zwölf zu ertastenden Punkten. Sie stellten Buchstaben und Silben dar.

Braille hat Barbiers Schrift vereinfacht und jeden Buchstaben in einer Grundform dargestellt, die einer Würfelsechs ähnelt. Stell dir einen umgedrehten Eierkarton für sechs Eier vor, den du hochkant vor dir auf den Tisch legst. Ist nur der Punkt oben links zu ertasten, handelt es sich um ein „A“. Das „B“ wird durch die Kombination des oberen linken Punktes mit dem darunterliegenden Punkt dargestellt. Für jeden Buchstaben gibt es eine festgelegte Kombination aus sechs hohen und flachen Punkten.Erst 25 Jahre später, im Jahr 1850, wurde diese Schrift offiziell anerkannt. Heute wird sie weltweit genutzt. Vielleicht hast du schon mal die Blindenschrift auf Pappschachteln für Medikamente oder auf Schildern in Aufzügen bemerkt? Die Punktschrift wird schnell übersehen, ist aber immer öfter im täglichen Leben zu finden.

Für das Schreiben benötigt man eine Art Nadel und eine spezielle Schablone, mit der die Buchstaben Punkt für Punkt in das Papier gestochen werden. Obwohl in Spiegelschrift geschrieben wird, geht das blitzschnell. Das fertige Schriftstück wird zum Lesen dann umgedreht. Bequemer ist das Schreiben mit einer Punktschriftmaschine. Jedem der sechs Punkte ist eine Taste zugeordnet. Beim Schreiben eines Buchstabens drückt man gleichzeitig die Tasten, die nötig sind.

Blinde und sehbehinderte Menschen nutzen die Brailleschrift heute auch für den Computer. Es gibt spezielle Geräte, die winzige Stifte entsprechend den Punkt-Buchstaben der Blindenschrift hochdrücken. Diese Braillezeilen stehen unter der Computertastatur oder dem Notebook und übertragen die Schrift auf dem Bildschirm in Brailleschrift. Spezielle Computerprogramme können am Computer geschriebene Texte in Braille umwandeln. Spezielle Drucker drucken das Geschriebene in Braille aus. Wer am Computer schnell schreiben möchte, muss üben. Am schnellsten geht es nämlich mit zehn Fingern blind!





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