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Tierwelt : Die Pinselohren sind zurück

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Der Luchs streift wieder durch die heimischen Wälder / Scheuer Jäger ist fast nur nachts unterwegs

Er ist der große Unbekannte. In freier Wildbahn bekommt ihn eigentlich kaum jemand zu Gesicht. Der Luchs wurde schon vor langer Zeit in Deutschland so stark gejagt, dass er im vorigen Jahrhundert als ausgerottet galt. Doch dann haben ihn Naturschützer wieder angesiedelt. Das bedeutet, dass Tiere aus Zoo-Nachzuchten oder aus natürlichen Vorkommen aus anderen Gegenden Europas hier ausgesetzt wurden. Einige Exemplare sind aus der Slowakei und Tschechien in unsere Wälder eingewandert.

Der sogenannte eurasische Luchs hat ein dunkelbraun geflecktes Fell. Seine Körperform erinnert an eine Hauskatze, doch der scheue Jäger erreicht eine Körperhöhe von 60 cm und ist insgesamt so groß wie ein ausgewachsener Schäferhund. Mit den „Pinselohren“, den langen Haaren an den Ohren und dem Stummelschwanz verfügt er über zwei ungewöhnliche Merkmale, an denen er leicht zu erkennen ist.

Der bis zu 30 Kilogramm schwere Jäger erlegt alle Tiere, die er überraschen und überwältigen kann. Er erbeutet kleine Rehe, Hasen, Füchse, Marder, Mäuse und Vögel. Seine Jagdtechnik besteht aus Lauern, Anpirschen und Sprung. Wenn er Junge hat, schleppt er seine Beute in seinen Bau. Bis zu fünf Junge gebärt das Weibchen im Frühsommer. Wenn die Elterntiere nicht genug Tiere fangen, ist der Nachwuchs vom Hunger bedroht. Oft überlebt von vier geborenen Jungen nur eines. Luchse lieben dichte große Waldgebiete. Sie haben wegen ihres dichten Fells mit Kälte kaum ein Problem. Der Luchs kann auch in weniger bewaldeten Gebieten leben, wenn es genug Versteckmöglichkeiten gibt. Der Luchs ist ein sehr scheues Tier, fast nur nachts unterwegs.

Während der Luchs bei Tierschützern als Gesundheitspolizist gilt, weil er vor allem kranke und schwache Tiere erbeutet, befürchten Förster die Ausrottung des Rehwildes und die Landwirte sorgen sich um ihre Nutztiere. Doch aufgrund des Jagdverhaltens des Luchses sind die Befürchtungen übertrieben.

Heute ist der Luchs nach dem Bundesnaturschutzgesetz streng geschützt. 1998 wurde sogar ein Luchsfonds gegründet, der die Tierhalter finanziell entschädigt, wenn denn tatsächlich ein „Pinselohr“ im Hühnerhof oder im Schafsgehege gewildert hat.

Der Luchs ist heute ein Paradebeispiel für die gelungene Wiederansiedlung eines in Deutschland ausgerotteten Tiers. Bei kaum einer anderen Tierart wurde soviel Aufwand betrieben. Bei kaum einer anderen Art war die Wiederansiedlung so erfolgreich.



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