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Junge Zeitung

23. September 2017 | 11:04 Uhr

Die Menschen-Zuschauer

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Die Soziologie ist eine Wissenschaft, die sich mit dem Zusammenleben der Menschen beschäftigt.

Wie klein kann eine Familie sein? Warum sind manche Leute reich und andere arm? Und wieso müssen Kinder heute nicht mehr arbeiten? Es gibt eine Wissenschaft, die untersucht, wie Menschen miteinander leben: die Soziologie. Andreas Willisch, Soziologe und Leiter des Thünen-Instituts für Regionalentwicklung in Bollewick bei Röbel, erklärt Matthias Lanin eine „Menschenwissenschaft“.

Was macht ein Soziologe?

Wir kennen uns mit den Gesellschaften der Menschen aus. Mit ganz großen Staaten und mit ganz kleinen wie Familien oder vielleicht mit Räuberbanden. Wir beobachten, kritisieren und bewerten das Miteinander von Menschen.

Was beobachten Sie dabei?

Was zwischen den Menschen passiert, wenn sie sich treffen. Wie sie sich mögen und Freunde werden und was sie dann miteinander machen. Die größte Erkenntnis für mich ist bisher, dass, egal wie groß oder klein eine Gemeinschaft ist, sie mehr ist als ihre einzelnen Mitglieder.

Wozu ist die Soziologie gut?

Soziologen beschäftigen sich mit ganz alltäglichen Problemen, zum Beispiel mit den Ursachen von Arbeitslosigkeit, Armut und Fremdenfeindlichkeit. Wir wollen lernen, warum einige arm werden und wie man ihnen helfen kann. Wenn nämlich immer mehr Leute arm und andere reich werden, gibt es ein Ungleichgewicht in der Gesellschaft, man sagt manchmal Armutsschere dazu. Gesellschaften verändern sich und wir wollen wissen, wohin die Reise geht.

Dann können Sie in die Zukunft sehen?

Nein. Wir beobachten Menschen und überlegen uns Zusammenhänge. Zum Beispiel, ob wir in großen Familien zusammenleben mit Oma, Opa, den eigenen Eltern und vielen Kindern oder in kleinen, nur Mutter und Kind zum Beispiel. Wir wissen heute auch: Je reicher das Land, desto eher müssen Kinder dort nicht arbeiten oder als Soldaten dienen.

Kann man sagen, wie viele Menschen in 50 Jahren hier leben?
Damit beschäftigen sich Demografen, Bevölkerungswissenschaftler. Sie schätzen ab, wie sich Zahl und Zusammensetzung der Bevölkerung verändert. Damit planen dann Städte und Regierungen zum Beispiel, wie viele Lehrer sie einstellen und wie viele Kindergärten sie bauen müssen.

Das klingt wichtig.

Ja, aber wir Soziologen glauben nicht an diese Vorhersagen. Denn 50 Jahre sind wirklich lang. Die Demografen vergessen nämlich, dass große Unglücke geschehen können oder Erfindungen gemacht werden, die sie nicht berechnen können. Viele Demografen machen sich heute Sorgen um den Nordosten, weil in den letzten Jahren so viele junge Leute weggegangen sind. Dadurch würden Dörfer sterben. Wir Soziologen sagen aber, dass es nicht so wichtig ist, wie viele Menschen in einem Dorf leben. Wichtiger ist, wie die Menschen da leben, ob sie Dinge selbst in ihre Hände nehmen können oder ob andere Leute für sie entscheiden.

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