Jahrestag : Die Mauer muss weg

Heute dienen die Mauersegmente am Potsdamer Platz in Berlin zur Mahnung und als Ausstellungsstücke für Touristen.
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Heute dienen die Mauersegmente am Potsdamer Platz in Berlin zur Mahnung und als Ausstellungsstücke für Touristen.

Am 9. November vor 25 Jahren feierten Menschen in beiden deutschen Ländern die Öffnung der Grenze

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07. November 2014, 23:20 Uhr

Es gab mal eine Zeit, da waren eure Eltern vielleicht noch Kinder oder noch nicht einmal geboren: Da verlief eine Mauer mitten durch Berlin. Sie war sehr hoch. Wenn sich drei Kinder aufeinander stellten, dann konnten sie vielleicht über diese 3,60 Meter hohe Betonmauer blicken. Allerdings durften das nur die Westberliner Kinder. Denn auf der Ostberliner Seite durfte keiner sich der Mauer nähern. Auf dieser Seite war es verboten, die Mauer zu berühren. Ein breiter Grenzstreifen durfte nur von Befugten betreten werden. Das waren hauptsächlich Grenzpolizisten.

Es gab einen Kontrollstreifen aus Sand, damit man gleich die Fußspuren sehen konnte, ob jemand zur Mauer gelaufen ist. Es gab Wachtürme und auch sehr helle Beleuchtungsanlagen. So konnte Tag und Nacht jede Bewegung an der Mauer beobachtet werden. An manchen Stellen liefen Hunde entlang, damit sich wirklich niemand über diese Grenze schlich.

Die Mauer hatte damals zwei Länder geteilt. Die Deutsche Demokratische Republik (DDR) und die Bundesrepublik Deutschland (BRD). In beiden Ländern wurde die deutsche Sprache gesprochen und es gab viele Familien, deren Verwandte in dem anderen Deutschland lebten. Der Grund dafür war, dass diese beiden Länder bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs ein einziges großes Land waren. Dann wurde es geteilt in Ost und West und wurde unterschiedlich regiert. Die einen sagten, der Staat solle mehr bestimmen und die anderen sagten, jeder einzelne Bürger solle mitbestimmen können.

So waren sich die beiden Länder nicht einig. Manche Menschen, die in der DDR lebten, wollten lieber in der BRD leben. Das waren viele: etwa 100 000 Menschen. Da sie nicht mit Erlaubnis ihres Staates ausreisen durften, wurden sie sehr kreativ, um zu fliehen. Manche bauten sich Heißluftballons, um über die Mauer zu schweben, andere bauten ihre Autos um, um unter der Grenzsperrung hindurch fahren zu können. Es gab Menschen, die buddelten Tunnel in den Westen oder glitten von Haus zu Haus über die Mauer an einem Drahtseil, das sie mit Pfeil und Bogen geschossen hatten.

Doch am 9.November 1989 war Schluss. Menschen, die zuvor nicht über die Mauer sehen durften, stiegen nun auf die Mauer und freuten sich, endlich frei zu sein. Ab jetzt durften sie verreisen, wohin sie wollten. Sie durften mehr selbst über sich bestimmen und ihre ehrliche Meinung öffentlich äußern.

Die Menschen, die viele Monate auf die Straßen gegangen waren und für mehr Freiheit demonstriert hatten, hatten gesiegt. Die Mauer war gefallen. 1990 schließlich vereinten sich die beiden deutschen Teile wieder.

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