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Junge Zeitung

22. Oktober 2017 | 08:39 Uhr

Forschung : Der Mars im Schrank

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Wenn der Forscher Jean-Pierre de Vera den Mars beobachten will, muss er nur durch das kleine Fenster im Schrank seines Labors in Berlin schauen. Denn dort haben er und seine Kollegen ähnliche Bedingungen geschaffen wie auf dem Planeten.

Wenn der Forscher Jean-Pierre de Vera den Mars beobachten will, muss er nur durch das kleine Fenster im Schrank seines Labors in Berlin schauen. Denn dort haben er und seine Kollegen ähnliche Bedingungen geschaffen wie auf dem Planeten. So etwas nennt man Simulation.

Der nachgebaute Mars hat vor allem einen Zweck: Die Wissenschaftler testen, ob auf dem Mars Leben möglich ist, das es auf der Erde gibt.

Auf dem echten Mars können sie keine Experimente machen. Der Planet ist viele Millionen Kilometer von unserer Erde entfernt.

Im Inneren des Schranks herrschen ähnliche Bedingungen wie auf dem Mars. Dort ist es zum Beispiel genauso warm und kalt wie auf dem Planeten: durchschnittlich minus 55 Grad Celsius! Das ist eisig kalt.

Auch die Luft auf dem Mars ist anders als auf der Erde. Sie setzt sich aus verschiedenen Luft-Arten zusammen. Damit die Luft in dem Schrank wie auf dem Mars ist, ist eine Pumpe angeschlossen. Sie pumpt ein Gemisch der verschiedenen Luft-Arten hinein. Außerdem haben die Forscher den Boden vom Mars nachgebastelt. Dazu haben sie Erde von einem Vulkan genommen, denn die ist so ähnlich wie die Erde auf dem Mars.

In ihren Mars-Schrank stecken die Forscher Lebewesen wie Algen oder Pilze. Dann beobachten sie, ob diese trotz der andersartigen Luft und der Kälte überleben können – oder ob sie kaputtgehen. Aber einfach ist das nicht: Man kann nicht nur eine Tulpe hineinstellen und dann die Pumpe anschalten. „Pflanzen, die etwa bei uns im Garten wachsen, würden auf dem Mars sofort eingehen“, sagt der Forscher. „Dort ist es viel zu kalt für sie.“

Deswegen versucht er es mit Lebewesen, die extreme Kälte gewohnt sind: Flechten. Sie sind eine Mischung aus Pilzen und Algen. Von einem Stein kratzt de Vera eine Flechte herunter und macht sie klein: Sie sieht nun aus wie bunte Sandkörnchen. Diese Körnchen legt de Vera gemeinsam mit dem Mars-Boden in eine kleine Dose in den Schrank. Tür zu, Luftpumpe an, Temperatur runter - und schon ist die Flechte auf dem Mars.

Wie auf dem Planeten geht auch im Mars-Schrank immer morgens die Sonne auf, es wird wärmer, und abends geht die Sonne wieder unter.

Dafür schalten die Forscher eine Lampe ein, die auf das Gemisch aus Mars-Boden und Flechte scheint. Einen Monat lang dauert ein solches Experiment. Danach wird die Flechte unter dem Mikroskop untersucht. Über das Ergebnis ist Jean-Pierre de Vera erstaunt: „Auf dem Mars-Boden fallen die Flechten in eine Art Winterschlaf“, sagt er.„Sie überleben, aber sie wachsen nicht weiter.“ Wenn Flechten jedoch in Ritzen und Nischen von Felsen auf dem Mars sind, überleben sie nicht nur - sie sind sogar aktiv. Die Forscher meinen: Flechten können auf dem Mars an geschützten Orten überleben - und sich vielleicht sogar vermehren.

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