Geschichte des mikroskops : Der Mann mit Durchblick

Ein Bild des Mechanikers Carl Zeiss und die Hausnummer seiner ehemaligen Jenaer Werkstatt hängen  in Jena (Thüringen) im Eingangsbereich der historischen Zeiss-Werkstatt (Nachbau von 1866) im Optischen Museum.
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Ein Bild des Mechanikers Carl Zeiss und die Hausnummer seiner ehemaligen Jenaer Werkstatt hängen in Jena (Thüringen) im Eingangsbereich der historischen Zeiss-Werkstatt (Nachbau von 1866) im Optischen Museum.

Heute vor 125 Jahren starb der Mikroskop-Bauer und Firmengründer Carl Zeiss. Wer war dieser Mann?

svz.de von
02. Dezember 2013, 16:13 Uhr

Wenn sie den Namen Carl Zeiss hören, denken viele Leute an Fußball und Carl Zeiss Jena. Komischer Name für einen Sportclub, wird der ein oder andere vielleicht sagen. Stimmt! Was also hat es damit auf sich? Wer verbirgt sich dahinter?

Ganz einfach: Carl Zeiss war ein Hersteller von Mikroskopen. In Jena gründete er eine eigene Firma. Mit Betriebssport fing alles an, bald hatte das Unternehmen einen eigenen Sportverein und eine Werkself. Übrigens ganz ähnlich wie der Pharmakonzern Bayer in Leverkusen.

Geboren wurde dieser Carl Zeiss vor 197 Jahren in Weimar (Thüringen). Eigentlich sollte er gar nicht studieren. Weil er sich als Kind einen Leistenbruch zugezogen hatte, wollte der Vater, dass er nicht so viel sitzen soll. Und um zu studieren, muss man viel lesen, also sitzen. Deswegen machte Carl eine Lehre als Mechaniker in Jena. Das liegt nicht weit weg von Weimar. Nebenbei besuchte er in der Universität Vorlesungen. Als er die Ausbildung beendet hatte, ging er ein paar Jahre auf Wanderschaft, schnupperte in Stuttgart, Darmstadt, Wien und Berlin in Firmen hinein. Wieder zurück, wollte er sich als Mechaniker selbständig machen. In Weimar gab es aber schon zwei. Darum erhielt er keine Genehmigung.

Also ging er wieder nach Jena und machte da einen Laden auf. Er reparierte Uhren und verkaufte Brillen, Fernrohre, Thermometer und Waagen, die andere produziert hatten.

Dann fing er an, selbst Mikroskope zu bauen. Er zerlegte gekaufte Mikroskope und baute sie neu zusammen. Er probierte viel rum. Das brauchte Zeit. Dann kam er auf die Idee, das Funktionieren dieser Apparate zu berechnen. Er holte sich den jungen Physiker Ernst Abbe zu Hilfe. Und es klappte. Die beiden konnten nun viel schneller Mikroskope bauen als vorher. Die Firma wuchs. Botaniker und Zoologen lobten die Mikroskope von Carl Zeiss.

Bis 1886 hatte die mittlerweile mehr als 60 Mitarbeiter zählende Firma 10 000 Stück hergestellt. Man kaufte jetzt auch keine Linsen mehr von anderen ein, sondern produzierte das optische Glas selbst in Jena.

Auf Qualität legte Carl Zeiss viel Wert. Wenn einer der Angestellten ein Mikroskop vorlegte, das schlampig gebaut war, schlug der Chef persönlich es mit dem Hammer auf dem Amboss kaputt. Auf der anderen Seite aber war Zeiss ein guter Arbeitgeber. Einmal im Jahr machte er mit seiner Belegschaft einen Ausflug in Pferdewagen, er lud sie zu Gartenfesten ein, bei denen er sie mit geschmierten Broten und Wein bewirtete, und er gründete eine Betriebskrankenkasse. Wer krank wurde, konnte sich kostenlos von einem Arzt behandeln lassen. Wer nicht mehr arbeiten konnte, bekam sechs Wochen den Lohn gezahlt. Das war fortschrittlich. Carl Zeiss starb vor 125 Jahren, am 3. Dezember 1888 nach mehreren Schlaganfällen.


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