Geschichte : Daumen hoch oder runter

Das Flavische Amphitheater, heute Kolosseum genannt, zieht sogar noch als Ruine Millionen Touristen an.
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Das Flavische Amphitheater, heute Kolosseum genannt, zieht sogar noch als Ruine Millionen Touristen an.

In der Römerzeit kämpften Gladiatoren um ihr Leben / Gefangene und Tiere wurden aufeinandergehetzt

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30. Juli 2014, 16:55 Uhr

Fast alles aus der Römerzeit ist faszinierend für uns. Selbst grausame Dinge, wie Gladiatorenkämpfe, sind heute noch interessant. Vom Volk der Etrusker übernahmen die Römer einen Brauch, der die Toten verehrte. Bei den Römern wurde daraus der Gladiatorenkampf, eine antike Kampfsportart. Das Wort rührt vom Begriff „gladius“ für „kurzes Schwert“. Kämpfe von unfassbarer Grausamkeit gegenüber Menschen und Tieren entstanden. Die Römer nannten diese Spiele „munus“, in der Mehrzahl „munera“, was „Totenopfer“ bedeutete.

Sie fanden erst auf Plätzen statt und begeisterten schnell die Massen. Die Menschen wollten immer heftigere Kämpfe sehen. Sklaven, Verbrecher und Gefangene wurden zu Gladiatoren ausgebildet und aufeinandergehetzt. Wohlhabende Leute richteten die Spiele aus. Abscheulich waren auch die Tierhetzen. Tierfänger jagten überall im Land nach den armen Kreaturen und man hetzte sie in den Arenen aufeinander oder schlachtete sie durch Pfeilbeschuss ab.

Wer schon einmal in Rom war, hat es bestimmt gesehen: das Kolosseum. Die Römer nannten es „Flavisches Amphitheater“. Den Namen von heute bekam es, weil in der Nähe eine kolossal riesige Figur des Sonnengottes Sol stand. Ein Amphitheater (amphi = griechisch ringsum, herum), das heute sogar noch als Ruine Millionen Touristen anzieht. Es passten 50 000 Zuschauer hinein, die leicht und schnell an ihre Plätze kamen. Jeder hatte gute Sicht durch die höhergelegten Sitzreihen. Unsere Stadien heute sind danach gebaut worden. Man konnte sogar Seeschlachten abhalten. Dazu wurde der Boden unter Wasser gesetzt und Schiffe fuhren darauf herum. Im Keller darunter hielt man die Tiere und die Gladiatoren und Gefangenen warteten auf ihren Einsatz.

Das Kolosseum entstand unter Kaiser Vespasian in neun Jahren Bauzeit. 80 nach Christus wurde es vom Kaisersohn Titus eingeweiht. Die Feier dauerte 100 Tage. Es wurden dabei 9000 Tiere und 2000 Gladiatoren getötet. Gleich daneben gab es eine Gladiatorenschule. Dort wurden die Kämpfer in hartem Training zu Kampfsportlern ausgebildet. Überall im Römerreich gab es diese Theater und Schulen. Die Kämpfe fanden nach genauen Regeln statt. Wenn einer unterlegen war, konnte er den Kampf auch abbrechen. Dazu erhob er die rechte Hand und streckte einen Finger in die Luft. Das Volk durfte nun entscheiden mit Daumen hoch oder runter, ob er überleben sollte oder nicht. Die Kämpfer steckten in unterschiedlichen Rüstungen und Helmen. Oft gab es Kämpfe Mann gegen Tiere, aber auch wenige Frauen kämpften.

In der Zeit entwickelte sich das Christentum. Die Christen wurden von den Römern verfolgt. Viele wurden in den Arenen durch Raubtiere getötet. Das Gemetzel fand erst ein Ende, als sich römische Kaiser im 4. Jahrhundert nach Christus zum Christentum bekannten. Viele Tierarten waren inzwischen ausgerottet.


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