Das Thema : Das Tannenbäumchen mit der roten Kugel

tannen

Eine kleine Weihnachtsgeschichte zum Vorlesen von unserer Leserin Karin Mußfeldt

svz.de von
23. Dezember 2014, 20:49 Uhr

Es war einmal ein Tannenbäumchen. Es stand neben all seinen Brüdern und Schwestern mitten im Wald. Ach, das war ein Leben. Man konnte sich recken und strecken, sich etwas zuraunen, mit den Ästchen wackeln. Und besonders schön war’s, wenn die Vögelchen kamen, sich auf die Zweiglein setzten und ein Liedchen zwitscherten. Ach, das Bäumchen fühlte sich so richtig wohl hier im Wald. Was mir wohl im Leben noch passiert, dachte es manchmal des Nachts. Man hatte ja schon hier und da gehört, was werden könnte – vielleicht ein Holzbett für Kinder, vielleicht ein Regal für spannende Bücher, vielleicht ein bunt geschmückter Weihnachtsbaum... das Bäumchen kam ins Träumen.

So langsam wurde es kalt im Wald. Eines Morgens fielen leise weiße Flocken. Das Bäumchen streckte die Äste und Zweige weit aus, um genug davon zu bekommen. Was für eine Freude! Da hörte das Bäumchen ein merkwürdiges Geräusch; es knirschte. Ein Menschenkind stiefelte durch den Wald. Es war ganz grün angezogen und ein kleines Menschlein war auch dabei. Wer das wohl sein mag, fragte sich das Bäumchen. Ob nun etwas passierte? Das große Menschenkind in grün schaute hier, schaute dort, schubste hier und da den Schnee von den Zweigen der Bäume. Auf einmal hörte das Bäumchen ein unbekanntes Ratschen. Oh, rief einer seiner Brüder, nun ist es für mich soweit, mein Leben bekommt einen anderen Sinn, ich werde den Wald verlassen. Oh, ich auch und auch ich, riefen da einige der Bäume. Und ich, fragte sich das Bäumchen, was wird wohl aus mir? Gerade in dem Moment kam das kleine Menschenkind und rief: „Sieh mal, Papa, was für ein schönes Bäumchen, so schön gewachsen und so voll Schnee! Kann ich den wohl haben?“

„Gut, mein Kind, der ist genau richtig... ! Ich werde ihn absägen, wir schmücken ihn dann für uns zum Weihnachtsfest.“ Da rief das kleine Menschenkind: „Nein, nein, nein, lass uns morgen noch einmal hier hergehen, ich habe mir etwas ganz Schönes ausgedacht!“

Wer kann einem Kind schon etwas abschlagen. Das Bäumchen konnte vor lauter Aufregung und Spannung kaum schlafen. Die Nacht nahm und nahm kein Ende. Dann wurde es langsam hell und von weitem hörte das Bäumchen schon die zwei Menschenkinder. Das Kleine hatte etwas auf dem Rücken. Lange dauerte es nicht, da waren die zwei am Bäumchen. Vorsichtig zupften sie an den Zweigen und Ästen, der Schnee fiel langsam auf den Waldboden. Da nahm das kleine Menschenkind den Rucksack ab und öffnete ihn. Oh, wie es dann funkelte und glitzerte!

Das kleine Menschenkind hängte bunte leichte Kugeln an die Zweige, holte silberne Fädchen hervor und schmückte das Bäumchen. Ach, was für ein wohliges Gefühl glitt durch den Stamm und die Zweige ...

Unter das Bäumchen stellten die Menschenkinder ein Körbchen mit Nüssen, Kastanien und Äpfeln. Sie schauten sich alles noch einmal an und gingen dann durch den Schnee nach Hause. Das Bäumchen war sehr glücklich, Schwestern und Brüder bestaunten es. Als es Nacht wurde, kamen die Tiere das Waldes. Sie schauten sich das schön geschmückte Bäumchen an, knabberten von den Früchten, die im Körbchen lagen und erzählten sich wundersame Dinge. Es war die Nacht aller Nächte und ein funkelnder Stern schaute vom Himmel herab. So eine zauberhafte Nacht hatte das Bäumchen noch nie erlebt...

So verging die Zeit. Im Frühling schaute das kleine Menschenkind zum Bäumchen und freute sich, dass noch bunte Kugeln und silberne Fädchen an den Zweigen hingen und in der wärmenden Sonne glitzerten. So vergingen die Jahre, das kleine Menschenkind wurde groß und größer, es zog in die Welt hinaus. An das Bäumchen dachte es noch oft. Nach Jahr und Tag kam es nach Hause, um mit den Eltern das Fest aller Feste zu feiern. Was ist wohl aus dem Bäumchen geworden, ob es noch steht, dachte das nun große Menschenkind.

Am nächsten Morgen ging es in den Wald. Baum an Baum, groß und klein, Busch und Tann – und da – da stand ein Tannenbaum, groß und schön, ebenmäßig gewachsen – und fast oben in der Spitze glitzerte etwas – eine rote Kugel wiegte sich im Winde. Ein Raunen ging durch die Zweige, es war, als wolle der Baum danke sagen. Das große Menschenkind umarmte seinen Baum und ging zufrieden nach Hause.

Und noch heute, wenn man durch den Wald stapft und genau aufpasst, kann man den Tannenbaum mit der roten Kugel sehen. Und wenn man Glück hat, kann man den Tieren in dieser besonderen Nacht zuhören...

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