Tierwelt : Das Rätsel der Zugvögel

Mit dieser Anlage fängt Jonas Wobker die Vögel auf Helgoland ein.
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Mit dieser Anlage fängt Jonas Wobker die Vögel auf Helgoland ein.

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08. September 2015, 15:21 Uhr

„Tsch! Tsch!“ Jonas Wobker macht laute Geräusche, als er durch den Garten der Vogelwarte Helgoland läuft. Helgoland ist eine Insel mitten in der Nordsee. Der junge Mann ist 19 Jahre alt. Er ist gerade mit der Schule fertig und arbeitet hier. Seine Aufgabe: Vögel aufscheuchen und einfangen. Dann soll er den Tieren einen kleinen Ring anlegen. Dieser ist aus Metall, wiegt weniger als ein Gramm und kommt um das Bein.

Vor rund 100 Jahren hat sich ein Forscher diese Methode ausgedacht. Damit wollte er mehr über Vögel herausfinden, vor allem über Zugvögel. Und zwar so: „Auf dem Ring steht eine Nummer, die nur zu diesem Vogel gehört. Das ist wie ein Personalausweis“, sagt Jonas.

Der Vogel wird gemessen und gewogen – und dann wieder freigelassen. Aber seine Daten werden alle notiert und aufbewahrt.

„Wenn jemand den Vogel mit dem Ring eines Tages findet und uns die Nummer sagt, können wir die Daten vergleichen. Wir wissen dann zum Beispiel, wie alt der Vogel geworden ist, wie weit er geflogen ist und wohin“, erklärt der junge Mann. So haben Forscher schon viel über Vögel und vor allem Zugvögel erfahren.

Das Problem an der Ring-Methode: Es ist nicht so leicht, die Vögel einzufangen, um ihnen den Ring anzulegen. In der Vogelwarte helfen deshalb besondere Drahtgehege. Sie heißen Fangreusen.

Wenn Jonas und seine Kollegen die Vögel aufscheuchen, sollen die Tiere dort hineinfliegen. Jonas fängt schließlich einen kleinen Singvogel. Das Tier hüpft immer weiter in das Gehege hinein, bis in einen kleinen Kasten.

Dort holt Jonas ihn vorsichtig heraus und legt ihn auf dem Rücken in einen Beutel. „Diese Lage kennt der Vogel nicht. Er ist verwirrt und deshalb wird er ganz ruhig“, sagt er. Nun kann Jonas das Tier herausholen und ihm den Ring anlegen. Es ist jetzt nicht mehr irgendein Vogel, sondern einer mit einem Ausweis.

Autorin: Silke Fokken

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