Freizeit : Das Kribbeln im Bauch

Nervenkitzel pur liefert auch diese Achterbahn im Hansa-Park an der Ostsee in Schleswig-Holstein.
Nervenkitzel pur liefert auch diese Achterbahn im Hansa-Park an der Ostsee in Schleswig-Holstein.

Nervenkitzel und Zuckerwatte: Vergnügungsparks sind moderne Jahrmärkte – diese gab es schon im Mittelalter.

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27. September 2015, 23:24 Uhr

Höher, schneller, aufregender lautet das Motto auf Jahrmärkten und in Vergnügungsparks. Achterbahnen mit immer mehr Loopings lassen die Passagiere über Kopf fahren und sie aus schwindelerregender Höhe in die Tiefe sausen. Das freudige Kreischen der Menschen ist von weitem zu hören. Die Zuschauer beobachten die rasante Fahrt bewundernd, mitleidig oder ängstlich. So auch im Europa-Park in Rust (Baden-Württemberg), wo die Achterbahn Silver Star als neueste Attraktion Besucher in Scharen anzieht.

Warum mögen wir eigentlich dieses Kribbeln im Bauch, das sich schon im Kettenkarussell einstellt? Und wieso wollen wir uns in einer Geisterbahn von Menschen und Maschinen erschrecken lassen? Wahrscheinlich ist es die vermeintliche Gefahr, die uns fasziniert. Es ist ein tolles Gefühl, Angst zu haben und gleichzeitig zu wissen, dass alles nur ein vorübergehendes Spiel ist.

Jahrmärkte lockten schon im Mittelalter Neugierige an. Damals waren sie Treffpunkt für Händler, Gaukler, Akrobaten, Wahrsager, Musikanten und Tänzer. Die Besucher wollten spektakuläre Dinge sehen, die im Alltag nicht vorkamen. Vom Magier bis zum dressierten Tanzbären war dort alles zu sehen. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelten sich die Jahrmärkte immer mehr zum Volksfest.

Das erste Karussell drehte in Deutschland im Jahre 1780 seine Runden. Damals wurde es noch mit Muskelkraft angetrieben. Das erste motorisierte Karussell nahm fast 100 Jahre später in England seinen Betrieb auf. Es wurde von einer Dampfmaschine angetrieben. Diese Konstruktion verbreitete sich von England aus über ganz Europa und sogar bis nach Amerika. Auf vielen Jahrmärkten gibt es noch heute Nostalgiekarussells mit Pferden und Drehorgelmusik, die an diese Anfänge erinnern.

In vielen Städten gibt es noch heute hin und wieder einen Jahrmarkt. In Norddeutschland ist der dreimal jährlich stattfindende „Hamburger Dom“ berühmt. Er fand neben einer alten Domkirche statt, in der die Händler und Handwerker bei schlechtem Wetter Schutz suchten. Die Domkirche wurde vor mehr als 200 Jahren abgerissen. Geblieben ist der Name.

Fahrgeschäfte, Shows und Naschereien gibt es auch in Vergnügungsparks wie dem Heidepark Soltau, dem Hansa-Park an der Ostsee und dem Belantis bei Leipzig. Der Europapark, Deutschlands größter Freizeitpark, feiert dieses Jahr sein 40-jähriges Bestehen. Im vergangenen Jahr hatte er fünf Millionen Besucher.

Das Besondere an dem Park: Die Parkbereiche sind einzelnen europäischen Ländern gewidmet. Die Besucher spazieren durch italienische Gassen und französische Straßen, an schwedischen Häuschen und griechischen Säulen vorbei – ein Gefühl wie ein Gang durch eine Filmkulisse.

Autorin: Maren Herbst

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