Theater : Bühnenluft statt Schule

Schauspielern, singen, tanzen – alles das muss Josia im Theaterstück „Die Chroniken von Narnia“ können. Und nebenbei muss er auch noch gegen die fiese Eiskönigin kämpfen.
Schauspielern, singen, tanzen – alles das muss Josia im Theaterstück „Die Chroniken von Narnia“ können. Und nebenbei muss er auch noch gegen die fiese Eiskönigin kämpfen.

Morgens kämpft Josia manchmal gegen die Eiskönigin / Der 13-Jährige spielt eine Hauptrolle im Theater

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13. März 2014, 17:14 Uhr

Vor der Bühne herrscht schon aufgeregtes Gewusel. Die einen suchen hektisch ihre Plätze. Die anderen stopfen ihre Jacken unter die roten Sitze. Wieder andere streiten darüber, wer neben wem sitzen darf. Nach und nach füllt sich der große Zuschauer-Raum. Eine Schulklasse nach der anderen läuft herein. Bis schließlich alle 400 Plätze des Theaters besetzt sind. Einige Lehrer zischen: „Pssssst...“. Nur noch wenige Minuten, dann geht es los.

Hinter der Bühne ist auch eine Menge los. Einige Schauspieler hetzen einen engen Gang entlang und dann eine schmale Treppe hinauf zur Bühne. Andere drängen sich noch in der kleinen Garderobe und zupfen an ihren Kostümen herum. Mittendrin steht Josia. Er ist 13 Jahre alt und spielt gleich eine der Hauptrollen in dem Stück.

„Ich bin vor jeder Aufführung total nervös“, verrät er. Aber sobald er auf der Bühne den ersten Satz sage, sei das Lampenfieber wie weggeblasen. Seit drei Jahren gehört Josia zu den Schauspielern des Jungen Theaters in Bonn. Das ist eine Stadt in Nordrhein-Westfalen. In dem Theater stehen nicht nur Profis auf der Bühne, sondern auch Kinder. Zwei- bis dreimal in der Woche hat Josia einen Auftritt.

So wie an diesem Morgen, in dem Stück „Die Chroniken von Narnia“. Darin geht es um die Geschwister Peter, Susan, Edmund und Lucy. Durch einen Kleiderschrank gelangen die Vier in eine Art Zauberwelt. Dort müssen sie dann viele Abenteuer bestehen und gegen die böse Eiskönigin kämpfen. Hilfe bekommen sie dabei zum Beispiel von einem verrückten Biber-Ehepaar und dem mächtigen Löwen Aslan.

Josia spielt in dem Stück die Rolle des Edmund. Er trägt eine kurze, braune Hose, einen Pullover und eine Jacke. Der 13-Jährige fasst sich noch einmal an seine Wange. Dort klebt ein kleines Mikrofon. Er muss heute nämlich nicht nur schauspielern, sondern auch singen. Das Stück ist ein Musical.

„Ich hoffe, meine Stimme lässt mich nicht im Stich. Vor allem beim Solo“, sagt Josia. Der Junge ist nämlich gerade im Stimmbruch. Deshalb hört sich seine Stimme manchmal etwas quietschig und leiernd an.

Draußen im Zuschauerraum ist es dunkel geworden. Hinter der Bühne herrscht Anspannung. Es ist Punkt zehn Uhr. Das Stück beginnt. Zwei Stunden stehen Josia und die anderen Schauspieler nun auf der Bühne. Sie tanzen, schunkeln und singen, sie kämpfen mit Schwertern und es knallt und kracht. Immer wieder müssen sich Josia und die anderen superschnell umziehen. Hinter der Bühne ist es eng und es geht turbulent zu. Im Publikum ist es währenddessen ein bisschen unruhig geworden. Einige Kinder tuscheln. Manche fangen sogar an, die Schauspieler nachzuäffen. „Das bekommt man auf der Bühne alles mit. Aber man darf sich davon nicht ablenken lassen“, verrät Josia später in der Garderobe.

Gerade kämpft er aber noch als Edmund gegen die fiese Eiskönigin. Er ruft: „Für Narnia“ und zerschlägt mit einem Schwert deren Zauberstab. Krach! Die böse Königin ist besiegt. Am Ende des Stücks kommen alle Schauspieler auf die Bühne. Sie verbeugen sich und die Zuschauer klatschen. Theaterspielen sei eine Gemeinschafts-Sache, sagt Josia: „Und das finde ich das Tolle daran.“

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