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Geschichte : Boote aus Holz und Knochen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Früher gab es noch keine Motoren. Die Menschen gingen mit dem Einbaum auf Fischfang.

In grauer Vorzeit hausten die Menschen noch in einfachen Strohhütten und die Flüsse waren für die Jäger große Hindernisse. So fingen sie Fische an Ufern und suchten flache Stellen, um Flüsse und Bäche zu durchqueren. Dann entdeckten unsere Vorfahren, wie Baumstämme und Äste auf dem Wasser schwammen. Sie brauchten also ein ähnliches Objekt, das sich allein über Wasser hielt. So bauten die Inuit, die nomadisierenden Jäger im hohen Norden, Fellboote. Diese Kajaks waren zudem leicht über Land zu transportieren. Das Gestell bestand aus Walknochen und war mit Seehundfellen bespannt. Die frühen Bootsbauer auf den britischen Inseln verwandten Eschenholz und bespannten ihre „Curraghs“ häufig mit Rindsleder.

In unseren Breiten fertigten die Germanen anfangs aus jungen, dünnen Bäumen kleine Flöße, die sie mit Hanf aneinander banden. Auf ihnen ließen sie sich treiben oder stakten mit langen Stangen durch flache Gewässer. Allerdings waren die Flöße sehr schwer zu manövrieren. Die Männer erkannten, dass sich aus einem dicken Baumstamm ein stabileres Boote fertigen ließ. Mit dem sogenannten „Einbaum“ konnten sie nun in tieferen Gewässern Fische fangen. Sie nutzten Paddel und Ruder, um sich damit rasch und zielsicher fortzubewegen.

Die Herstellung von Einbäumen war sehr mühsam. Zuerst musste Bäume – oft mit einem halben Meter Durchmesser – gefällt werden. Dann wurden sie mit Steinwerkzeugen tagelang ausgehöhlt und hiernach vorsichtig ausgebrannt. Das älteste erhaltene Einbaum-Boot Mitteleuropas wurde 1955 in dem holländischen Dorf Pesse geborgen. Es stammt, wie Altertumsforscher feststellten, aus der Zeit um 6300 vor Christus. Mit einer Länge von drei Metern und 45 Zentimeter Breite ist es ein beachtliches Boot.

Die Bootsbauer verbesserten ihre Arbeit. Sie höhlten immer längere Stämme aus, die Böden wurden abgeflacht, um ein Kentern zu vermeiden. Dann wurde die Bordwand immer dünner gefeilt, um den Auftrieb zu verbessern. Sie bauten einen löffelförmigen Bug, um die Schnelligkeit und Wendigkeit des Bootes zu fördern. Forscher haben in Dänemark die Reste eines rund 4600 Jahre alten Einbaums gefunden, das so gebaut war.

Doch die große Zeit des Einbaums war vorbei, als die Bootsbauer begannen, die Baumstämme längs oder quer aufzutrennen, um mithilfe von Planken einen Schiffsboden zu bauen. So konnten die Boote vergrößert werden, um mehr Personen und mehr Waren zu befördern. Länger dauernde Seereisen wurden möglich.

Heute werden Einbäume in vielen Regionen Afrikas, Südamerikas, Indiens zum Fischfang, als Verkehrs- und Transportmittel vor allem von der ärmeren Landbevölkerung genutzt.

Autor: Ronny Stein

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