Trambahn : Auf Schienen durch die Stadt

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21. Dezember 2013, 00:33 Uhr

Vielleicht fahrt ihr ja täglich mit der Straßenbahn zur Schule. In vielen Städten der ganzen Welt rumpeln sie durch die Straßen. In Süddeutschland, der Schweiz und Österreich nennt man sie Trambahn, kurz Tram. Vielleicht stammt der Ausdruck aus der englischen Sprache. Denn dort nennt man sie Tramway.

Bevor es Autos gab, gingen die Menschen zu Fuß. Wer es sich leisten konnte, nahm eine Kutsche. Mit Erfindung der Eisenbahn in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, wollten auch immer mehr Menschen reisen. Da die Bahnhöfe meistens vor den Stadtmauern lagen, also weiter entfernt waren, musste man sich etwas überlegen, um dorthin zu gelangen. Aber auch, um viele Menschen auf einmal schnell von einem Ort zum anderen zu bringen, erfand man die Pferdebahnen. Ein Gefährt, das auf Schienen fuhr, aber von Pferden gezogen wurde. 1832 fuhr die erste Pferdestraßenbahnlinie der Welt in New York. Sie konnte 30 Menschen transportieren. In Europa fuhr die erste Pferdebahn auf Gleisen 1855 in Paris. Ab 1865 fuhren Pferdebahnen auch in Berlin. Doch so recht zufrieden war man bald nicht mehr damit. Die Tiere mussten häufig ausgewechselt werden wegen der schweren Lasten. Steile Strecken waren oft zu schwer, die Pferde zu langsam. Man brauchte Pferdeställe, sie mussten tierärztlich versorgt werden. Außerdem hinterließen sie überall „Pferdeäpfel“. Klar, es sind ja auch Lebewesen. Im 19. Jahrhundert gab es viele technische Neuerungen. Fabriken wurden gebaut, Erfindungen und Entdeckungen gemacht. Immer schneller sollte alles gehen und so suchte man dringend nach einer anderen Antriebskraft.

Da der Schotte James Watt (1736-1819) im Jahre 1769 die Dampfmaschine erfunden hatte, versuchte man auch einen Antrieb per Dampfmaschine. So fuhren erstmals 1877 in Kassel Dampfstraßenbahnen durch die Stadt, die mit Dampflokomotiven betrieben wurden. Man kann sich vorstellen, dass das ganz schön viel Dreck erzeugte, wenn so ein Ungetüm mitten durch die Stadt fuhr. So kam es zu Protesten der Stadtbewohner und die Dampfbahnen wurden abgeschafft.

Einer der bedeutendsten deutschen Erfinder war Werner von Siemens (1816-1892). Er hatte die beste Idee von allen und erfand die elektrische Straßenbahn. Die Wagen nahmen den Strom über beide Schienen auf. Am 16. Mai 1881 fuhr im Probebetrieb die erste elektrische Straßenbahn der Welt in Lichterfelde bei Berlin, heute ein südlicher Stadtteil. Wenn Strom durch Schienen fließt, ist es natürlich für die Fußgänger gefährlich. So musste erst der Ingenieur Walter Reichel 1889 einen Bügelstromabnehmer erfinden. So konnten nun die Bahnen den Strom durch einen versenkbaren Bügel von einer Oberleitung bekommen. Jetzt setzte sich die Straßenbahn durch. Bald hatte Berlin ein Straßenbahnnetz von über 600 Kilometern. Um 1900 gab es in 150 deutschen Städten Straßenbahnanlagen. Um 1920 herum gab es immer mehr Autos und auch U-Bahnen, die ihnen Passagiere wegnahmen. Man meinte, dass die Straßenbahn nicht mehr in die Zeit passte. Die Schienen verliefen auf der Straße und behinderten den Verkehr. Dennoch konnte niemand bis heute das beliebte Fortbewegungsmittel ganz beseitigen. Straßenbahnen sind umweltfreundlich, da sie keine Abgase ausstoßen wie Autos. Man fährt sicher und kann bequem direkt von der Straße aus einsteigen.


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