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Leben : Arsu arbeitet als „Spandi“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Die Achtjährige lebt in Afghanistan, ihre Familie ist arm / Anstatt zur Schule zu gehen, muss sie Geld verdienen

In Kabul stehen die Menschen oft im Stau. Dann laufen Kinder, die eine Blechbüchse mit einem Henkel in der Hand halten, zwischen den Autos herum. In der Büchse brennen Kräuter. Manche Menschen glauben: Der Rauch vertreibt böse Geister. Die Kinder wedeln mit ihren Händen, damit ein bisschen Rauch durch das Fenster ins Auto zieht. Dafür bitten sie um ein paar Afghani. Das ist das Geld, mit dem in Afghanistan bezahlt wird. Kabul ist die Hauptstadt des Landes.

Arsu ist acht Jahre alt, und auch sie ist ein „Spandi“ – so nennt man die Kinder, die mit den Blechbüchsen durch den Stau ziehen. „Ich bin jeden Tag von 6 Uhr morgens bis 9 Uhr abends auf der Straße“, erzählt Arsu. „Ich würde gern zur Schule gehen. Aber ich muss arbeiten und Geld verdienen, weil wir arm sind.“

Afghanistan ist eines der ärmsten Länder der Welt. Wie Arsu können viele Kinder keine Schule besuchen, weil sie ihren Familien beim Geldverdienen helfen müssen. Lesen und schreiben kann Arsu nur ihren eigenen Namen.

Wenn man Arsu fragt, was sie einmal werden möchte, dann sagt sie: „Polizistin. Weil ich mein Afghanistan verteidigen möchte.“ In Afghanistan kämpfen Terroristen gegen die Regierung. Auch in Kabul gibt es deswegen immer wieder Bombenanschläge. An diesem Wochenende wählen die Menschen in dem Land dort einen neuen Präsidenten.

Arsu wohnt mit ihren Eltern, ihrem Bruder und ihren fünf Schwestern in einem einzigen Zimmer. Ihr Vater ist Schuhputzer, ihr Bruder verkauft Kaugummis auf der Straße. Das Geld der Familie reicht nur, um eine Schwester von Arsu in die Schule zu schicken. Dieses Mädchen ist vor Kurzem in die 1. Klasse gekommen.

Arsu ist jeden Tag auf der Straße, auch wenn es regnet oder schneit. Sie hat Schuhe aus Plastik an, die nicht sehr warm sind. Weil es abends noch kalt wird in Kabul, hat sie zwei Jacken übereinander angezogen. „Manchmal, wenn ich müde bin, gehe ich früher nach Hause“, sagt sie. Ihr Vater sei ihr dann nicht böse, dass sie weniger verdiene. „Er freut sich über alles Geld, was ich nach Hause bringe.“

200 Afghanis verdient Arsu an einem guten Tag. Umgerechnet in unsere Währung sind das ungefähr 2 Euro und 50 Cent. An schlechten Tagen bekommt sie nur die Hälfte davon. Manche Autofahrer seien nett zu ihr, sagt das Mädchen. „Manche sind aber auch böse. Sie sagen mir, dass ich weggehen soll, und beschimpfen mich.“

Sie finde ihr Leben eigentlich nicht sehr schön, sagt Arsu, wenn man sie fragt. Trotzdem lacht sie oft. Und sie freut sich auf den Sommer. Den Sommer verbringt die Familie immer in Sarobi, wo sie ursprünglich herkommt. In dem Ort östlich von Kabul verdient der Vater dann Geld als Landarbeiter, und Arsu muss nicht auf der Straße arbeiten.

Manchmal hilft sie, Tiere auf der Weide zu hüten. Das ist ganz anders als die Arbeit als „Spandi“ zwischen den Autos – und macht ihr Spaß.

 

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erstellt am 04.Apr.2014 | 16:45 Uhr

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