Gewalt : Angst vor Raketen

Paulina  lebt seit einem Jahr mit ihren Eltern in Israel.
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Paulina lebt seit einem Jahr mit ihren Eltern in Israel.

Ismail und Paulina leben in einer Gegend, in der gerade Bomben und Raketen abgefeuert werden

svz.de von
14. Juli 2014, 16:48 Uhr

Der elfjährige Ismail lebt im Gazastreifen, einem schmalen Streifen Land, der neben dem Land Israel liegt. Die neunjährige Paulina lebt in Israel. Zwischen dem Gazastreifen und Israel gibt es schon seit vielen Jahren immer wieder Gewalt. So wie gerade. Beide Seiten feuern jetzt Raketen aufeinander ab.

„Ich höre dauernd ein lautes ,Boom’ von den Bomben und dann wackelt das ganze Haus. Ich kann die ganze Nacht vor Angst nicht schlafen“, erzählt Ismail darüber, was er im Gazastreifen erlebt. Besonders gesicherte Schutzräume, in denen sich die Menschen in Sicherheit bringen können, gibt es im Gazastreifen für die meisten Menschen nicht. „Wenn es Angriffe gibt, setzen wir, meine Familie und ich, uns alle zusammen und meist nimmt uns meine Mama in den Arm und beruhigt uns.“

Angst hat auch Paulina in Israel. Sie hört seit Tagen oft ein lautes „Wuiwuiwuiwui“. Das kommt von Sirenen, die vor Raketen warnen. Wegen der Raketen sollen die Menschen in der Nähe von Häusern bleiben. „Sobald die Sirene losgeht, müssen wir in den Schutzraum“, sagt Paulina. Egal, ob man im Bett liegt, auf dem Klo sitzt oder gerade ein Bild malt: „So, wie man ist, muss man losrennen.“

Für Paulina, ihre Geschwister und ihre beiden Eltern, die aus Deutschland und Österreich kommen, ist das alles sehr ungewohnt. Beim ersten Alarm hatte sie ziemlich Angst. Es sei gut, dass ihre Mutter dabei war und sie sich aneinander kuscheln konnten. Mit jedem Alarm sei es aber besser geworden. Das könne auch ein bisschen an der Schokolade liegen, die ihre Mutter immer in einer Tasche hat und mit in den Schutzraum nimmt.

Ein Schutzraum sei wie ein Kellerraum, sagt Paulina. Er liege unter der Erde und habe keine Fenster. Mit Decken und Kissen könne man darin schlafen. Auch Toiletten und Duschen gebe es in manchen Schutzräumen.

Paulina und Ismail hoffen, dass die Gewalt bald aufhört. Vor den Angriffen ist Ismail jeden Morgen mit dem Bus zur Schule gefahren. Nach der Schule hat er Hausaufgaben gemacht und dann den Rest des Tages mit seinen Freunden gespielt. „Ich verbringe viel Zeit mit meinen Freunden und wir erfinden immer neue Spiele, weil es hier leider keine schönen Spielplätze gibt wie in Deutschland.“ Außerdem geht Ismail gern schwimmen, im Meer oder im Freibad. „Jetzt können wir überhaupt nicht spielen und aus dem Haus, weil wir Krieg haben“, sagt er.

Paulina erklärt die Gewalt so: „Einer fängt an, dann rächt sich der andere und so weiter und so weiter.“ Die Neunjährige ist froh, dass sie bald von Israel nach Deutschland zu ihren Großeltern fliegt. „Da freu ich mich“, sagt sie.

Ismail hofft, dass bald Ruhe bei ihm im Gazastreifen einkehrt: „Ich will einfach ein normales Leben haben, wie andere Kinder auf der Welt, ohne Angst und ohne Krieg.“

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