Das Thema : Anders und doch ganz normal

Raphael ist ein fröhlicher Junge.
Raphael ist ein fröhlicher Junge.

Raphael mag Kino, Musik und Fußball – für manches braucht er nur etwas länger. Er hat das Down-Syndrom.

svz.de von
29. Januar 2016, 23:15 Uhr

„Haaallooo!“, ruft Raphael von Weitem und winkt. Er rennt ins Haus und die Treppen hoch, in den zweiten Stock. Dort klingelt er an der Wohnungstür. Sein Vater öffnet und begrüßt den 13-Jährigen. Doch Raphael hat es eilig: Er muss schnell ins Bad.

Seine Mutter Claudia ist inzwischen auch in der Wohnung angekommen. Sie hat ihren Sohn von der Schule abgeholt. Allein würde Raphael den Weg mit dem Bus nicht schaffen. Manche Dinge, die andere in seinem Alter gut hinbekommen, sind für ihn schwierig.

Das liegt daran, dass der Junge eine Behinderung hat. Er hat das Down-Syndrom. Trotzdem geht er in eine normale Schule mit Kindern ohne Behinderung. „Den anderen in seiner Klasse erkläre ich das so: Raphael begreift Sachen langsamer. Aber er kann eigentlich auch alles lernen“, sagt seine Mama.

Gerade übt er zum Beispiel, allein zur Schule zu fahren. Dabei begleitet ihn sein Betreuer Martin. „Dreimal in der Woche kommt Martin und holt Raphael ab“, erklärt seine Mutter.

Manchmal geht Martin mit Raphael auch einfach ins Jugendzentrum in der Nähe. „Da spiele ich Tischtennis. Und da gibt es Disco!“, sagt Raphael und strahlt. Er liebt Musik und tanzt gern.

Auch sonst steht Raphael auf Sachen, die andere 13-Jährige ebenfalls gut finden: Er geht gern ins Kino und spielt Fußball.

Es gibt aber Sachen, die bei Raphael anders sind als bei vielen anderen Kindern in seinem Alter. Er kuschelt zum Beispiel gern mit seiner Mama. Er küsst und umarmt sie häufig. „Raphael ist sehr gefühlvoll. Er merkt es sofort, wenn man traurig ist. Das finde ich toll“, sagt seine Mutter.

Autorin: Alexandra Stober

Hintergrund

Ein winziges Teilchen zu viel

Menschen mit dem Down-Syndrom haben ein winziges Teilchen im Körper zu viel. Genauer gesagt: das Chromosom mit der Nummer 21. Chromosomen stecken in unseren Körper-Zellen. Sie enthalten den Bauplan für unseren Körper, zum Beispiel für die Farbe der Augen.

Normalerweise enthält jede Körperzelle 23 Chromosomen-Paare. 23 mal zwei macht 46. Menschen mit Down-Syndrom haben aber 47 Chromosomen. Weil die Nummer 21 dreimal in der Zelle vorhanden ist statt nur zweimal.

Wieso dieses Chromosom dreimal auftritt, wissen die Fachleute bis heute nicht genau. Das Down-Syndrom hat man von Geburt an. Trotzdem sind nicht alle Menschen mit Down-Syndrom gleich. „Manche Menschen mit Down-Syndrom machen einen Schulabschluss, lernen einen Beruf und leben allein“, erklärt eine Ärztin. „Andere brauchen dagegen ihr ganzes Leben lang Hilfe.“

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