Als die Bilder laufen lernten

Der Kinofilm „The Kid“ von 1921mit Charlie Chaplin (l.) und der damals sechsjährigen Jackie Coogan war ein Stummfilm.
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Der Kinofilm „The Kid“ von 1921mit Charlie Chaplin (l.) und der damals sechsjährigen Jackie Coogan war ein Stummfilm.

1895 lief in Paris der erste Kinofilm / Das Publikum erschrak vor den Bildern

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19. März 2014, 11:50 Uhr

Auguste und Louis Lumière waren ziemlich aufgeregt, als die vielen Menschen morgens um 10 Uhr ins Pariser „Grand Café“ strömen. Sie hatten den Ort für ihre erste öffentliche Filmvorführung gewählt. Das war damals, 1895, eine Sensation. Jahrelang hatten die Brüder an ihrer Erfindung, dem „Kinematografen“, getüftelt. Das Gerät war Filmkamera und Filmprojektor in einem. Nun warf es schwarzweiße Bilder an die Wand, die sich etwas ruckartig bewegten.

Die Brüder führten dem Publikum bis spät in die Nacht selbstgedrehte Kurzfilme vor. Sie zeigten Arbeiter beim Verlassen einer Fabrik, ein Baby beim Frühstück und einen Mann, der von einem Rasensprenger begossen wird. Für die Zuschauer war das sehr aufregend. „Bewegte Bilder“ kannten sie nicht und so wichen sie ängstlich zurück, als in einem Film ein Zug Richtung Publikum fuhr.

Der 28. Dezember 1895 gilt seitdem als die Geburtsstunde des Kinos. Nur wenige Wochen zuvor hatten die Brüder Max und Emil Skladanowsky in Berlin ihr „Bioskop“ vorgestellt. Dessen Technik war jedoch noch nicht so ausgereift wie der „Kinematograf“.

Bereits 20 Jahre zuvor hatten sich Erfinder mit dem Abbilden von Bewegungsabläufen beschäftigt. Ihr kennt sicher Daumenkinos: Man blättert einen Block mit Zeichnungen so schnell durch, dass es scheint, als würden sich die Bilder bewegen. So funktionierten auch der „Phonoscope“ aus Frankreich und der „Schnellseher“ aus Deutschland. Der US-amerikanische Erfinder Thomas Edison führte 1893 sein „Kinetoskop“ vor. Dieser Guck-Kasten war ein Mini-Kino für eine Person und funktionierte bereits mit Filmbändern.

Nach ihrem Erfolg in Paris zeigten die Brüder Lumière ihre Erfindung auf der ganzen Welt. Nach und nach entstanden kleine Wanderkinos, die von Stadt zu Stadt reisten. Als die Menschen das Interesse am Kino nicht verloren, wurden die ersten „Lichtspielhäuser“ gebaut. Bis 1926 gab es übrigens nur Filme ohne Ton. Diese Stummfilme wurden im Kino oft durch ein Klavier begleitet, später auch durch Kino-Orgeln, die viele Geräusche und Instrumentalstimmen hervorbrachten.

Heute sind fast alle Kinos mit aufwändiger Tontechnik und superbequemen Sesseln ausgestattet, denn seit es Fernseher, Videos und DVDs gibt, müssen sie um Zuschauer kämpfen. Eigentlich schade, denn ein Kinobesuch ist schon ein ganz besonderes Erlebnis.

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